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Anti-Gewalt-Akademie feiert in diesem Jahr zehnjähriges Bestehen

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Setzen sich mit gemeinsamen Angeboten gegen die Anwendung von Gewalt ein: Alexa von der Brelje, Klaus Giesecke (hinten) und Ulf Neumann.
Setzen sich mit gemeinsamen Angeboten gegen die Anwendung von Gewalt ein: Alexa von der Brelje, Klaus Giesecke (hinten) und Ulf Neumann. © Ohse

Gifhorn. Im Herbst gibt es die Gifhorner Anti-Gewalt-Akademie seit zehn Jahren. Der Zuspruch zu den angebotenen Formaten war bisher größer als erwartet.

Die Einrichtung wird wohl keineswegs überflüssig oder gar eingestellt. Die nackten Zahlen sprechen dagegen, stellte Initiator Ulf Neumann, Fachberater bei der KVHS, klar, der nach eigenen Worten „nicht gedacht hätte, dass die Anti-Gewalt-Akademie zehn Jahre lang existieren“ werde.

So stieg die Zahl der Rohheitsdelikte im Landkreis laut Polizeistatistik von 880 Fällen im Jahr 2004 auf mehr als 1000 im vergangenen Jahr. „Dazu kommt noch eine nicht unerhebliche Dunkelziffer“, mutmaßt Neumann. Dennoch sind die ersten neuneinhalb Jahre auch eine Erfolgsgeschichte. „Mehr als 3500 Personen wurden erreicht, und das bei hoher Zufriedenheit und Erreichung des Lernziels“, stellte Neumann vor. Zufrieden waren nicht nur die Akteure und Dozenten, sondern auch diejenigen, die die Kurse, Arbeitskreise, Projekte, Vorträge, Ausstellungen, Filmvorführungen, Bildungsurlaube, Beratungen und neu die Webinare in Anspruch genommen haben.

„In erster Linie richten wir uns an die Multiplikatoren“, sagt Neumann, ein Grund, warum die Mehrzahl der Interessenten weiblich ist. Denn unter anderem viele Erzieherinnen oder Lehrerinnen sind dabei. Schulen oder andere Institutionen fragen bei Neumann nach, der wiederum die Dozenten anspricht. Einer davon ist Klaus Giesecke vom Gifhorner Plenum. „Bildung auf Bestellung“ heißt das, und oft geht es dabei auch um Mobbing, „in den letzten Jahren vor allem um die Gefahren des Internets“, sagt Giesecke. Die Interessenten kommen aus allen Altersgruppen, von der Grundschule bis zum Rentenalter.

„In sämtlichen Schulen, meist an Gymnasien und Realschulen, aber auch an Grund-, Haupt- und Oberschulen fanden Angebote statt“, sagt Giesecke. Zudem wurden auch an externen Einrichtungen wie Ausbildung und Arbeit Jugendliche erreicht, um Konfliktkompetenzen zu vergrößern oder Beispiele zu geben, wie man aus Konflikten ohne Gewalt herauskommen kann.

Wichtig ist vor allem auch die Vernetzung, sagt Neumann. Kooperationen gebe es mit dem Landkreis, den Landesstellen, der Politik, externen Institutionen wie der Polizei, dem Kreisjugendring oder den Schulen sowie Hochschulen in Magdeburg, Lüneburg, Hannover und Braunschweig. „Insgesamt soll die Gifhorner Anti-Gewalt-Akademie die Kompetenzen von Erziehungsberechtigten, Lehrern, Sozialpädagogen, Ehrenamtlichen im Umgang mit Konflikten und Gewalt stärken“, fasst Neumann zusammen. Information, Fortbildung und Beratung sind die Wege dafür. Erprobte und transparente Handlungsmodelle werden vermittelt, eine Unterstützung und Beratung im Konfliktmanagement und Krisenbewältigung sowie bei Gewaltpräventionsmaßnahmen sind ebenfalls möglich.

Bei der Gründung der Anti-Gewalt-Akademie am 10. Oktober 2005 sprach Dr. Peter-Ulrich Wendt zur Eröffnung. Wendt, inzwischen Professor in Magdeburg, wird auch bei der Jubiläumsveranstaltung im Herbst reden, kündigt Neumann an.

Kurz nach Gründung der Anti-Gewalt-Akademie begann auch die Förderung durch die Sparkasse. Als „Koordinierungsfunktion für den Landkreis“ sieht Alexa von der Brelje, Sprecherin des Geldinstituts, die Anti-Gewalt-Akademie. „Gewalt zu erkennen, zu deeskalieren und abzubauen sind unverzichtbare Aufgaben“, sagt sie. „Und das Thema Gewalt in der Gesellschaft ist heute leider aktueller und facettenreicher denn je.“ Umso wichtiger sei es, dem couragiert und qualifiziert entgegenzutreten.

Von Burkhard Ohse

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