Regionale Wirtschaft unterstützt Ausbildungsbetriebe mit 50 Prozent der Kosten

Handelskammer Lüneburg-Wolfsburg erhöht Gebühren

Unternehmen müssen für IHK-Dienstleistungen im Bereich Ausbildung ab 2016 zwar mehr zahlen, die IHK bezuschusst aber 50 Prozent aus Mitgliedsbeiträgen. Nach einer kontroversen Debatte stimmten die Mitglieder der IHK-Vollversammlung der Erhöhung knapp zu.
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Unternehmen müssen für IHK-Dienstleistungen im Bereich Ausbildung ab 2016 zwar mehr zahlen, die IHK bezuschusst aber 50 Prozent aus Mitgliedsbeiträgen. Nach einer kontroversen Debatte stimmten die Mitglieder der IHK-Vollversammlung der Erhöhung knapp zu.

Lüneburg/Wolfsburg. Der Tagesordnungspunkt hatte es in sich: Soll die Industrie- und Handelskammer (IHK) Lüneburg-Wolfsburg die Gebühren für die Registrierung von Ausbildungsverträgen, Zwischen- und Abschlussprüfung erhöhen?

IHK-Hauptgeschäftsführer Michael Zeinert und IHK-Präsident Olaf Kahle loben das Engagement der Ausbildungsbetriebe. Unscharf im Vordergrund: die IHK-Vizepräsidenten Thomas Treude und Michael Spethmann (v. l.).

Diese Frage haben am Mittwoch die ehrenamtlichen Unternehmer, die sich in der IHK-Vollversammlung engagieren, diskutiert. Das Ergebnis nach rund eineinhalb Stunden kontroverser Debatte im Showroom der Heinrich Meyer Werke in Bispingen: Ab 2016 zahlen Ausbildungsbetriebe zwar 40 bis 70 Euro mehr, insgesamt tragen sie aber nicht mehr als die Hälfte der anfallenden Gebühren. Die anderen 50 Prozent bezuschusst die IHK aus den Mitgliedsbeiträgen. „Ausbildung bedeutet immer auch Engagement für die Gemeinschaft“, begründet IHK-Präsident Olaf Kahle. Von gut ausgebildetem Nachwuchs profitiere nicht zwingend nur der Ausbildungsbetrieb selbst, sondern die gesamte regionale Wirtschaft, führte er aus: „Der enormen Verantwortung, die die Ausbildungsbetriebe damit übernehmen, wollen wir Rechnung tragen, indem wir sie unterstützen – nicht nur durch intensive Beratung und Begleitung in allen Fragen zum Thema, sondern eben auch finanziell.“

Während der Sitzung stellte sich mehr als einmal die Frage, ob die Gebührenerhöhung falsche Signale setze. Da Schulabgänger beim Ausbildungsstart zunehmend grundlegende Qualifikationen vermissen ließen, nähmen die Ausbildungsbetriebe ohnehin bereits viel auf sich, argumentierten die einen. Jede Investition in den Nachwuchs sei auch eine Investition in die Zukunft des eigenen Unternehmens, hielten andere dagegen. Am Ende votierten die Unternehmer für einen Kompromiss: Der Gebührenerhöhung ab 2016 stimmten sie mit knapper Mehrheit zu. Über eine ursprünglich geplante weitere Erhöhung in 2018 soll zu einem späteren Zeitpunkt beraten werden.

Hintergrund der Gebührenanpassung ist das IHK-Gesetz. Demnach sollen IHK-Leistungen in erster Linie durch die Gebühren finanziert werden und erst in einem zweiten Schritt durch Mitgliedsbeiträge. Den Richtwert für den Deckungsgrad hatte die Vollversammlung 2009 auf 50 Prozent festgelegt, zuletzt war dieser allerdings auf 43 Prozent gesunken. Die Anpassung sei daher erforderlich, erklärte IHK-Hauptgeschäftsführer Michael Zeinert. Neben den Ausbildungsgebühren steigen ab 2016 die Sätze für Weiterbildungsprüfungen um 30 bis auf 230 Euro.

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