Knappheit im Südwesten schlägt zum Teil auf Mineralöl-Branche im Norden durch

Engpässe treiben Spritpreis

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Beim Griff zur Zapfpistole wurden zuletzt vielerorts erhöhte Preise aufgerufen, die nicht auf einen hohen Rohölpreis zurückzuführen sind.

Isenhagener Land. Zuletzt hat es in Süddeutschland mal wieder geregnet. Hilft das, die Spritpreise im Norden ein wenig zu drücken?

Nach dem Jahrhundertsommer hängt zusammen, was scheinbar nicht zusammenhängen kann – denn ein wenig schlägt die Versorgungslage mit Mineralölprodukten im Südwesten nun auch auf den Rest der Republik durch.

Die Gleichung geht so: Nach der Dürre hat der Rhein noch immer Niedrigwasser, das erschwert die Versorgung der dortigen Region mit Tankschiffen, etwa aus Rotterdam. Deshalb rollen gerade unzählige Tanklaster nach Süddeutschland. Trotzdem gibt es Engpässe – das treibt die Preise für Benzin und Diesel. Die haben zwischenzeitlich auch in Hamburg wieder angezogen, obwohl die Preise für Rohöl auf dem Weltmarkt seit Anfang Oktober fast nur sinken. Die Mineralölbranche dementiert, dass es sich im Norden um einen Trittbrett-Effekt handelt.

„Die Lieferanten holen Ware aus dem Norden“, bestätigt Nils Rendelmann, Abteilungsleiter für das Energiegeschäft bei der Raiwa in Wittingen. „In den letzten Tagen trifft uns das.“ Ein Effekt: Bei den Raffinerien kommt es mitunter zu Wartezeiten von drei bis fünf Stunden – in einer auf „just in time“ gepolten Branche gilt diese Verzögerung als „massiv“.

Von wirklicher Knappheit könne hier im Norden keine Rede sein, beruhigt Rendelmann. Allerdings könne es bei Heizöl inzwischen zu Wartezeiten kommen, da gebe es eine „leichte Verknappung“. Generell gelte wohl, dass sich die Lage am Rhein so schnell nicht normalisiert – Rendelmann rechnet daher noch bis zum Frühjahr mit einem eher erhöhten Preisniveau.

Beim Energieunternehmen Hoyer, das auch im Wittinger Hafen einen Standort betreibt, beobachtet man laut Sprecher Thomas Hartmann derzeit wieder eine Normalisierung der Lage. Der Rheinpegel habe das Geschäft bei Hoyer nur wenig beeinflusst – „weil wir im Wesentlichen aus dem Norden unsere Ware beziehen“. Bemerkenswert sei aber, dass Mitbewerber, deren Versorgung betroffen war, sich meldeten: „Die wollten bei Hoyer Ware abholen.“

Wie es nun also weitergeht? Beim für gewöhnlich äußerst sprunghaften Benzinpreis wisse man das eh nie so genau, meint Rendelmann. Und Hartmann verweist darauf, dass sich am heutigen Donnerstag die OPEC trifft – und dort könnten Produktionskürzungen auf die Agenda kommen. Das würde die Preise dann wieder nach oben bewegen, Regen am Rhein hin oder her.

Von Holger Boden

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