Neue Schrift von Kreishistoriker Felleckner über den Rücktritt des Landrats Wagenhoff im Jahr 1937

Das Ende einer Legende

Kreishistoriker Stefan Felleckner (r.) hat seine Schrift vorgelegt, die sich mit dem Rücktritt des Gifhorner Landrates Dr. Eugen von Wagenhoff auseinandersetzt. Ernst-Eberhard Hempel betreut die Schriftenreihen des Kreises, in denen Felleckners Werk erschienen ist. js

Landkreis Gifhorn. Zehn Jahre lang hat Kreisarchivar Stefan Felleckner recherchiert. Jetzt hat der studierte Historiker eine 88 Seiten starke Schrift über den vorzeitigen Rücktritt des Gifhorner Landrats Dr. Eugen von Wagenhoff im Jahr 1937 vorgelegt. Der 28.

Band der Schriftenreihe des Landkreises Gifhorn ist nicht ohne ein wenig Zündstoff, entstaubt Felleckner doch nach eigenen Angaben wissenschaftlich sauber das Bild Wagenhoffs.

„Mehrere Historiker haben das Manuskript vor Drucklegung gelesen und an der Arbeit nichts zu beanstanden gehabt.“ Felleckner sagt das, weil Eugen von Wagenhoffs Enkel, der Buxtehuder Arzt Dr. Ernst von Wagenhoff, ihm vorwirft, unsauber gearbeitet zu haben, was Felleckner entschieden zurückweist. „Es geht in der vorliegenden Arbeit nicht darum, den Ruf des ehemaligen Gifhorner Landrats von Wagenhoff posthum zu schädigen“, schreibt Felleckner auf Seite 8.

Felleckner habe das Werk geschrieben, weil der Rücktritt von Wagenhoffs mitten in der Nazi-Zeit nie fundiert untersucht worden sei. Vielmehr habe sich über Jahrzehnte das verklärte Bild gehalten, der Jurist Eugen von Wagenhoff sei ein Gegner des Regimes gewesen. Teilweise werde er in die Nähe des Widerstands gerückt, hatte er sich doch für einen Geistlichen gegenüber der Polizei eingesetzt. Das brachte ihm eine Dienstaufsichtsbeschwerde beim Lüneburger Regierungspräsidenten ein. Das Bild werde auch durch die öffentliche Darstellung von Wagenhoffs in einem Artikel im Jubiläumsband zur 100-jährigen Geschichte des Landkreises Gifhorn aus dem Jahre 1985 gestützt, schreibt der Kreisarchivar (Seite 7). Insofern ist in der Schrift von 1985 der Schluss gezogen worden, Wagenhoff habe 1937 zurücktreten müssen, weil er den Nazis nicht genehm war.

„Das hält einer Überprüfung nicht stand“, sagt Felleckener. Am 1. Mai 1933 trat Wagenhoff in die Nazi-Partei ein. Er sei dann in allen Ehren und mit vollen Pensionsbezügen in den Ruhestand gegangen. Wäre er missliebig gewesen, hätte man ihn viel früher, wie andere unliebsame Amtskollegen, aus dem Amt entfernt, so Felleckner. Und die 1927 nach ihm benannte Hestenmoor-Gemeinde Wagenhoff wäre mit Sicherheit wieder umbenannt worden, sagte der Historiker bei der Buchpräsentation. „Was sein Handeln in seinen letzten Berufsjahren 1933-37 betrifft, müsste man von Wagenhoff wohl als Mitläufer einordnen. Ein fanatischer Nationalsozialist war er nicht, noch viel weniger aber ein Nazigegner“ (S. 80).

Vielmehr sei von Wagenhoff ein Landrat gewesen, der Freund kleinteiliger kommunaler Strukturen gewesen sei. Die Fusion der Kreise Gifhorn und Isenhagen habe er rückgängig machen wollen, den Bau des Mittellandkanals habe er politisch torpediert. „Und als die Nazis beschlossen, das größte Automobilwerk der Welt in Fallersleben zu bauen, ist die Dienstaufsichtsbeschwerde benutzt worden, um von Wagenhoff loszuwerden“, sagt Felleckner. „Für ein derartiges Prestigeprojekt für das Reich wie den Bau des Volkswagen-Werkes brauchte das Regime Leute an den Schaltstellen, auf die es sich zu 100 Prozent verlassen konnte.“ Von Wagenhoff sei nicht wegen politischer, sondern aus persönlichen Gründen aus dem Amt gedrängt worden. „Er hat nach 30 Jahren Landratstätigkeit seiner Absetzung ohne Murren zugestimmt.“

Von Jens Schopp

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare