Fachbereich Jugend des Landkreises versucht, neue Pflegeeltern zu werben

Eltern auf Zeit gesucht

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Manuela Bolz (links) und Katrin Neumann.

Landkreis Gifhorn. Gerade mal zwei Familien hat der Pflegekinderdienst des Landkreises Gifhorn zurzeit in seinen Dateien, die zusätzlich in Frage kämen, ein Kind in Obhut zu nehmen, das aus ihrer leiblichen Familie herausgeholt werden muss.

Deshalb versucht der Kreis jetzt verstärkt Pflegefamilien zu gewinnen.

„Wir brauchen passgenaue Familien. Die Pflegeltern und ihre Umgebung müssen auf das Kind abgestimmt sein“, sagt Manuela Bolz vom Kinderpflegedienst. Das heißt unter anderem, dass die leiblichen Eltern nicht gleich um die Ecke in der Nachbarschaft wohnen dürfen. Gleichwohl haben sie grundsätzlich ein Besuchsrecht, so Bolz.

Zusammen mit ihrer Kollegin Katrin Neumann stellte sie die Kampagne vor. Geworben wird in Kinderarzt-Praxen oder Kindergärten. Vor allem bei kleinen Kindern, die aus Familien geholt werden müssen, sei ein Anstieg zu verzeichnen. Gerade in diesen Fällen sei es wichtig, dass die Kinder erst einmal in einer Familie unterkommen und nicht in einem Heim. Derzeit leben 120 Kinder in 90 Pflegefamilien.

„Leider müsen wir auch Kinder in Pflegefamilien unterbringen, die nicht im Landkreis Gifhorn leben“, sagt Neumann. Auch deshalb suche man nach weiteren potenziellen Pflegefamilien im Landkreis, so Neumann.

Wer sich für ein Pflegekind entscheide, habe einen neuen 24-Stunden-Job. „Da kommt ein kleiner Gast, der ein sicheres Nest sucht. Und der braucht Zeit, Zuwendung und Zuneigung“, ergänzt Julia Denecke vom Fachbereich Jugend. Dabei gehe es meist nur um Geborgenheit auf Zeit. Denn Pflegekinder seien keine Adoptivkinder. Pflegeeltern müssen das Kind lieben, aber auch wieder loslassen können.

Eine stabile Familiensituation und gefestigte Persönlichkeiten seien gefragt. Ein Pflegekind aufzunehmen, sei eine schöne Aufgabe, aber auch eine riesige Herausforderung. „Es muss versorgt, betreut, beschützt und gefördert werden“, so Julia Denecke. Dabei sei immer der Blickwinkel des Kindes wichtig. Deshalb begleite das Jugendamt das Kind auch in der Pflegefamilie.

Der Kreis bietet Seminare, in denen die künftigen Pflegeeltern sorgfältig auf ihre neuen Aufgaben vorbereitet werden. Es gibt Tipps für den Alltag, pädagogische Ratschläge, rechtliche Hinweise und Hilfestellungen beim Umgang mit den leiblichen Eltern.

Die Kosten für den Lebensunterhalt für das Kind werden vom Jugendamt getragen. Auch erhalten die Pflegeeltern eine kleine Anerkennung für ihre Erziehungsleistung. Allerdings stehe bei der Pflegefamilie nicht der Aspekt des „Geldverdienens“ im Vordergrund. „Das Engagement fürs Kind geht übers Herz und nicht übers Konto“, so Denecke.

Um Menschen, die Pflegeeltern werden wollen, einen besseren Eindruck zu geben, bietet das Jugendamt Freitag, 14. März, um 10 Uhr im Sitzungszimmer des Gifhorner Schlosses eine Informationsveranstaltung an.

Von Jens Schopp

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