Pflegeeinrichtungen im Landkreis Gifhorn rufen um Hilfe: Gestiegene Nachfrage und Fachkräftemangel

„Eine desolate Situation“

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Mit der Bitte um Unterstützung haben sich die Pflegeeinrichtungen im Kreis jetzt an den Landkreis gewendet.

Landkreis Gifhorn. Die Pflegeeinrichtungen im Landkreis Gifhorn rufen um Hilfe: immer mehr Patienten, immer weniger Pflegekräfte, dazu mehr Bürokratie und Hindernisse durch gesetzliche Vorgaben.

Die Einrichtungen sehen sich dieser Lage nicht gewachsen und sind an den Landkreis herangetreten: Der soll als Moderator bei einem Runden Tisch am 9. Mai im Rittersaal des Gifhorner Schlosses fungieren – mit Vertretern der Pflegeeinrichtungen, der Kommunen und Krankenkassen sowie mit Politikern von Bundes-, Landes- und Kreisebene.

„Die Situation ist desolat“, sagt Ralf Fricke, Leiter des Fachbereichs Altenhilfe beim DRK-Kreisverband Gifhorn. „Wir haben einfach zu wenig Kräfte, um der angestiegenen Nachfrage nachzukommen.“ 2012 hätten die Sozialstationen Gifhorn/Grußendorf beispielsweise noch 180 Kunden gehabt, heute seien es bereits über 500. „Außerdem ergreifen immer weniger Menschen einen Pflegeberuf. Der Bereich ist einfach nicht attraktiv genug, er hat keine Lobby.“ Das DRK habe bereits vergeblich versucht, über eine zehnprozentige Gehaltssteigerung Bewerber zu locken.

Weitere Hindernisse seien Bürokratie und Änderungen im Pflegegesetz, die für viele Aufgaben nun ausgebildete Fachkräfte verlangen, die zuvor auch Hilfskräfte erledigen durften. Dies betreffe sowohl die ambulante als auch die stationäre Pflege; das DRK habe bereits Kunden die Pflege verweigern müssen, weil einfach keine Kapazitäten mehr verfügbar waren, so Fricke. Er hofft, dass der Runde Tisch hilft, die Problematik aufzuzeigen und gemeinsam nach Lösungen zu suchen.

Auch Kreisrat Rolf Amelsberg setzt große Hoffnungen auf den Runden Tisch: Die Situation in der Pflege müsse „über kurz oder lang“ verbessert werden. Auf Landkreis-Ebene könne man nicht viel machen. „Die Einrichtungen, die Verbände und die Politik sind jetzt am Zug“, sagt Amelsberg. Die Initiative müsse auf Landesebene ergriffen werden. Denn das Ziel sei eine gleichmäßige Bezahlung der Pflegekräfte, am besten über einen allgemeinverbindlichen Tarifvertrag, so Amelsberg.

Von Dennis Klüting und Paul Gerlach

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