Datensicherheit geht jeden an: 200 Zuhörer bei Gifhorner Wirtschaftsabend

Die dunkle Seite des Netzes

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Die Begrüßung durch den Landrat: Rund 200 Besucher kamen auf Einladung des Landkreises Gifhorn und der Sparkasse Gifhorn-Wolfsburg zum Gifhorner Wirtschaftsabend in die Stadthalle. 

Gifhorn. Datensicherheit – ein Mega-Thema unserer Tage, und das nicht nur, weil sich kürzlich russische Hacker ungestört in sensiblen Netzwerken der Bundesregierung umschauen konnten. Auch Unternehmer und Privatleute sollten auf der Hut sein.

Die 200 Gäste des Gifhorner Wirtschaftsabends hörten denn auch einen spannenden Vortrag, als ihnen am Dienstagabend ein IT-Experte aus der Kreisstadt in der Stadthalle die möglichen Folgen zu großer Sorglosigkeit im Netz vor Augen führte.

Zunehmende Bedeutung erfahre das Thema Datensicherheit auch durch das bislang größte Infrastrukturprojekt des Landkreises, erläuterte Landrat Dr. Andreas Ebel in seiner Einführung. Mit einem Breitband-Ringnetz sollen ab 2019 zunächst rund 13.000 Anschlüsse in 101 „weißen Flecken“ mit schnellem Internet (bis zu 1000 MBit pro Sekunde) versorgt werden, langfristig sollen möglichst auch die übrigen 43.000 Anschlüsse im Kreisgebiet von dem 60-Millionen-Euro-Projekt profitieren können. Derzeit laufen Auswahlgespräche für die Betreibersuche, angepeilt wird laut Ebel ein Baustart im vierten Quartal.

Dass die Digitalisierung immer stärker Arbeitswelt und Gesellschaft verändere, betonte auch Gerhard Döpkens, Vorsitzender des Vorstands der Sparkasse Gifhorn-Wolfsburg. Das Kreditinstitut wolle seine digitalen Kompetenzen „weiter stärken, das erwarten die Kunden“. Kriminalität im Bankbereich sei durch digitale Möglichkeiten nicht erst entstanden, sie habe sich nur verlagert: „Früher war es die Unterschriftsfälschung auf der Überweisung, heute ist es die Internetkriminalität.“

Referent Jan Schendel warnte vor Fallen beim Umgang mit den eigenen Daten, zeigte aber auch Schutzmöglichkeiten auf.

Das war das Stichwort für den Referenten des Abends. Jan Schendel, der bei der H&D Group in Gifhorn den Bereich Informationssicherheit verantwortet. Der zeigte dem Publikum zunächst einmal, wie leicht auf der dunklen Seite des Internets Pässe, Waffen und Drogen zu kaufen sind, und dass man sich dort auch einen Hacker oder gar einen Auftragskiller mieten kann. Besonderes Augenmerk widmete er auch dem „Internet der Dinge“ – der Vernetzung aller möglichen Geräte vom Kühlschrank über das Smart TV bis zum Staubsaugerroboter. Solche Objekte seien potenzielle Abhörgeräte und damit Einfallstore für Datendiebstahl, beim Kauf sei auf das Fabrikat und die Konfiguration vor dem Gebrauch zu achten: „Schon bei den Einstellungen wird mitunter ganz viel gesaugt“, sagte Schendel. Daten nämlich – seinen eigenen Staubsauger habe es beispielsweise seltsamerweise nach seinen elektronischen Kontakten verlangt.

Der Referent riet dazu, solche Geräte „auch mal auszustellen“: „Was nicht mit dem Internet verbunden ist, kann auch nicht angegriffen werden.“ Den auf Kommando ihre Smartphones zückenden Zuhörern demonstrierte Schendel live, wie schnell man in einem öffentlichen W-Lan auf eine gefälschte Website gelotst werden kann. Deshalb solle man mit gesundem Menschenverstand aufpassen, in welches Netz man sich einloggt: „Wenn da ein Starbucks-Netz ist, aber meilenweit kein Starbucks zu sehen, dann könnte es ein falsches Netz sein.“ Ohnehin gelte: Wer sich in ein öffentliches W-Lan eingewählt hat, solle am Besten weder sensible Daten übermitteln noch seine Software aktualisieren.

Von Holger Boden

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