„Vieles erreicht und angestoßen“

Dr. Andreas Ebel (CDU) will am 12. September als Gifhorner Landrat wiedergewählt werden

Dr. Andreas Ebel tritt am 12. September für eine zweite Amtszeit an der Landkreis-Spitze an. Foto: boden
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Dr. Andreas Ebel tritt am 12. September für eine zweite Amtszeit an der Landkreis-Spitze an.
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Landkreis Gifhorn – Dr. Andreas Ebel will eine zweite Amtszeit als Landrat des Landkreises Gifhorn. „Ich kann mir kein schöneres Amt vorstellen“, sagt der Steinhorster, der die Wahl 2014 im ersten Wahlgang gegen zwei Mitbewerber für sich entscheiden konnte.

Der CDU-Mann, der sich als Gestalter an der Kreisspitze versteht, will in den nächsten fünf Jahren an das anknüpfen, was bisher auf den Weg gebracht wurde, und er geht auch mit neuen Ideen an den Start. Über seine Ziele sprach er mit IK-Lokalchef Holger Boden.

Herr Dr. Ebel, Ihr Wahl-Slogan lautet: „Damit wir besser bleiben.“ In welchen Punkten ist der Landkreis Gifhorn besser als andere?

Unser Landkreis hat sich prima entwickelt. Wir haben 8000 Einwohner mehr als 2014, wir haben eine geringe Arbeitslosenquote. In Rankings sind wir niedersachsenweit stets unter den Top 5, bundesweit meist im oberen Drittel. Wir sind familienfreundlich, eine Prognos-Studie sieht unsere Kitas bundesweit auf Rang zwei. Wir haben 30 Millionen Euro in die Schulen investiert, und der Erfolg unseres Medizinmentorings ist meines Wissens einmalig in Niedersachsen.

Hängt das Wohl des Landkreises nicht auch sehr von VW ab? Oder gar zu sehr?

Ich mache mir da keine Sorgen. Wir haben im Kreisgebiet einen gesunden Mittelstand. Außerdem: VW hat die Kernkompetenzen am Standort Wolfsburg angesiedelt, und unsere Zulieferer werden auch für Elektro-Autos liefern. Wir haben sehr viele innovative Unternehmen und sind ein prosperierender Standort.

Was wird Ihr wichtigstes Ziel für die nächsten fünf Jahre sein?

Der Abschluss des Breitband-Projektes – mein Lieblingsprojekt. Wir investieren fast 150 Millionen Euro für die weißen Flecken, die sollen 2022 alle angeschlossen sein. Dann haben wir eineinhalb Jahre für den Ausbau gebraucht, das ist schon sehr schnell. Das 850 Kilometer lange Ringnetz ist der Grundstein für die weitere wirtschaftliche Entwicklung. Und perspektivisch wollen wir natürlich auch die übrigen Haushalte und Unternehmen anschließen, wenn die Aufgreifschwelle für die Förderung fällt.

Was wird voraussichtlich die größte Herausforderung der nächsten Zeit?

Die Umsetzung der Digitalisierung in der Verwaltung, mit allen gesetzlichen Vorgaben, die es gibt. Ich will dabei die Bürger und Bürgerinnen mitnehmen, eine Servicestelle für Digitalisierung einrichten, Digitalhelfer für Ältere einsetzen und eine Landkreis-Service-App anbieten.

Eins der großen verwaltungsinternen Themen war zuletzt der Genehmigungsstau bei den Bauanträgen. Sind Sie da inzwischen am Ziel?

Ich bekomme gute Rückmeldungen. Anfang 2020 waren 700 Anträge offen, das konnte so nicht bleiben. Wir haben personell und von der IT her nachgebessert, ich habe das Ganze zur Chefsache gemacht. Wir sind jetzt bei 199 offenen Anträgen, bei 160 wären wir im Normalbetrieb. Das werden wir Ende des Jahres erreichen.

Das große Thema unserer Tage ist der Klimawandel. Was kann der Landkreis Gifhorn tun?

Ich habe in Sachen Klima und Umwelt schon einiges auf den Weg gebracht: den Aktionstag „Sauberer Landkreis“, das Projekt „Natürlich wild“, die Klima-Allianz mit den Landwirten. Wir haben eine Klima-Managerin eingestellt, kommen jetzt mit dem „Klima Clever Kompass“ raus, und ich will demnächst die Klima-Aktie des Landkreises Gifhorn einführen: Bürger und Bürgerinnen können freiwillig für ihren CO2-Fußabdruck einzahlen, und die Einnahmen fließen in Renaturierungsprojekte im Kreisgebiet. Mit dem Dreiklang „Vermeiden-Reduzieren-Ausgleichen“ möchte ich mit den Einwohnern zusammen auf einen klimaneutralen Landkreis hinarbeiten.

Kann man im Flächenlandkreis auch bei der Mobilität Weichen stellen?

Mit den Flexo-Bussen sind wir nach unserer Erkenntnis einer der ersten Landkreise, der so etwas umsetzt. Nur noch 300 Meter bis zur Bushaltestelle – das soll es attraktiv machen, das Auto stehen zu lassen. Wir wollen auch für die Kreisverwaltung eine E-Mobil-Flotte aufbauen. Mein neuer Dienstwagen wird ein VW ID.4, der ist schon bestellt.

Ein Parteikollege von Ihnen hat als Zukunftsperspektive ÖPNV auf der Bahnstrecke Wittingen-Celle ins Gespräch gebracht. Eine Option?

Die Hürden sind dafür recht hoch, und wir haben hier eher den Güterverkehr im Blick, aber ich würde mich natürlich dem Personenverkehr auf der Strecke nicht verschließen. Mir geht es vor allem um den Erhalt der Infrastruktur – es wäre sträflich, die Strecke verfallen zu lassen. Deshalb bin ich in der Sache in engem Kontakt mit dem niedersächsischen Wirtschaftsministerium.

Was sind Ihre Pläne für die Straßen und Radwege?

2014 hatten wir dafür eine Million Euro im Topf, wir hätten rein rechnerisch 386 Jahre gebraucht, um alles auf Vordermann zu bringen. Nun hat der Landkreis eine Ausgleichsfunktion, und wir brauchen überall eine gute Infrastruktur, auch in den nicht so zentral gelegenen Gebieten. Wir haben jetzt vier Millionen Euro für die Kreisstraßen im Haushalt – ich will, dass es sechs Millionen werden. Wir könnten dann in den nächsten vier Jahren 24 Ortsdurchfahrten sanieren. Bei den Radwegen ist es so, dass noch 175 Kilometer an unseren Kreisstraßen fehlen. Statt der aktuell vorgesehenen zwei Millionen Euro jährlich im Haushalt möchte ich fünf Millionen – wir wären dann in zehn Jahren durch.

Kann sich der Landkreis beim Thema Tourismus noch besser aufstellen?

Wir kümmern uns um ein 565 Kilometer langes Netz touristischer Radwege – da tun wir eine Menge für den sanften Tourismus. Dazu eine schöne Gegend mit pittoresken Dörfern, das ist schon ein Pfund. Zudem müssen wir natürlich unsere Highlights wie das Otter-Zentrum oder das Mühlenmuseum pflegen. Ob noch mehr geht? Ich denke, man könnte verstärkt auch den Reittourismus in den Blick nehmen. Übrigens bin ich überzeugt, dass regionale Produkte die Attraktivität unserer Tourismus-Region unterstützen. Ich möchte gern eine regionale „Grüne Woche“ einführen.

Viele Städter zieht es – vor allem angesichts der Pandemie – zurück aufs Land. Ist bei neuen Baugebieten irgendwann ein Limit?

Wir müssen weiterhin maßvoll Bauland ausweisen, aber das muss einhergehen mit einer gesunden Innenentwicklung. Auch, um die Ortskerne belebt zu halten.

Wie sehen Sie den Landkreis finanziell gerüstet für die Herausforderungen der Zukunft?

Wir haben bei einem Haushaltsvolumen von 320 Millionen Euro eine Investitionssumme von rund 60 Millionen. Das kann sich sehen lassen, das sind Investitionen in die Zukunft. Trotzdem haben wir solide gewirtschaftet und Schulden abgebaut – wir liegen bei der Verschuldung im unteren Drittel in Niedersachsen. Wie sich die zur Verfügung stehenden Mittel entwickeln, das können wir freilich nur von Jahr zu Jahr bewerten.

Glauben Sie an einen Amtsinhaber-Bonus?

Das muss der Wähler bewerten. Es gab viele Herausforderungen, die wir uns nicht aussuchen konnten – Eichenprozessionsspinner, Flüchtlingskrise, Corona –, und ich glaube, wir haben das alles ganz gut gemeistert. Dazu haben wir aber noch vieles mehr erreicht und angestoßen, nehmen wir Themen wie Digitalisierung, Infrastruktur, Naturschutz – ich habe das eben angesprochen. Oder schauen wir in den Bereich Kultur, wo ich den Impuls für das Unser Aller Festival gegeben habe.

Wie geht es am 12. September aus?

Ich habe eine gute Bilanz und würde mich freuen, wenn das vom Wähler honoriert wird.

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