Ein Test zum Aussortieren?

Down-Syndrom-Diagnostik im Mutterleib: Gifhorner Gruppe schlägt Alarm

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Ein Bluttest bei Schwangeren kann die Trisomien 13, 18 und 21 beim ungeborenen Kind ausschließen oder bestätigen – die Gifhorner Down-Syndrom-Gruppe sieht eine flächendeckende Anwendung kritisch. 

Landkreis Gifhorn. Lesen, Schreiben, Rechnen, Schwimmen – das ist ein Teil der Fähigkeiten, die auch Menschen erwerben können, die an einem Down-Syndrom leiden. Vielen von ihnen ist ein hohes Maß an gesellschaftlicher Teilhabe möglich.

Doch sollen künftig keine Kinder mit Trisomie mehr geboren werden? Zum Internationalen Tag der Menschen mit Behinderung schlägt die Vorsitzende der Gifhorner Down-Syndrom-Selbsthilfegruppe, Anke Voß, Alarm: „Wir als Eltern befürchten, dass Menschen mit diesen genetischen Besonderheiten ‘aussortiert’ und ‘verhindert’ werden. “.

Der Hintergrund ist eine Debatte über ein Thema, das auf den Namen „Übernahme von Leistungen der Nichtinvasiven Diagnostik bei den autosomalen Trisomien 13, 18, 21 in den Krankenkassenkatalog“ hört. Kurz gesagt geht es um die Frage, ob die Untersuchung des ungeborenen Lebens auf Trisomie zu einer Standard-Leistung der Krankenkassen werden soll. Diese Art von Pränatal-Diagnostik gibt es seit 2012. Eltern zahlen zum Teil selbst, auf Antrag übernehmen auch manche Kassen die Kosten. Ob diese Leistung künftig für alle Eltern selbstverständlich sein soll, darüber wird wohl Anfang 2019 der Deutsche Bundestag debattieren.

Besondere Sorgen bereitet Voß die Tatsache, dass die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) der generellen Kostenübernahme durch die Kassen bereits ihren Segen gegeben hat. Die EKD hat Anfang November ein Positionspapier veröffentlicht, in dem sie ihr Ja zu den Trisomie-Tests an eine intensive Beratung der Schwangeren knüpft. In dem Papier heißt es auch: „Unvereinbar mit unserer liberalen Rechtsordnung und den mit ihr verbundenen Werten wäre es, wenn der verbreitete Einsatz der nichtinvasiven Pränataldiagnostik schrittweise dazu führte, dass einer ganzen Gruppe von ungeborenen Menschen mit bestimmten Eigenschaften das Recht auf Leben verwehrt würde.“

Voß fürchtet dennoch, dass „es mit dem Segen der Kirche leichter wird, sich gegen Leben zu entscheiden“.

Von Holger Boden

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