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Der Kampf für die Autobahn 39

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Von: Holger Boden

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Ein Baustellen-Hinweisschild an einer bundesdeutschen Autobahn.
Hier bittet der Bund um Geduld in einer Autobahnbaustelle - A 39-Befürworter müssen solche Geduld offenbar auch noch aufbringen, bis das Projekt in trockenen Tüchern ist. © dpa

Isenhagener Land – Bleibt die Ampel für die A 39 auf Grün? Schaltet der Bund auf Rot, weil Milliarden für marode Brücken im Fernstraßennetz gebraucht werden? Oder setzen die Grünen sich in der Berliner Dreier-Koalition mit Klima-Bedenken durch? Befürworter wie Gegner des Autobahn-Lückenschlusses zwischen Lüneburg und Wolfsburg schauen und hören dieser Tage ganz genau hin, was die neue politische Konstellation im Bund für das seit über 20 Jahren intensiv diskutierte Projekt bedeuten könnte.

Eine Forsa-Umfrage vom letzten Jahr ergab, dass eine Mehrheit von 71 Prozent der befragten Menschen in der Region das Projekt befürwortet. Ein Umstand, auf den auch Landrat Tobias Heilmann verweist. Der SPD-Mann, seit November im Amt, führt derzeit viele Gespräche, um für die Realisierung des Autobahnbaus zu werben: „Wir wollen den Deckel drauf.“

Der Lückenschluss der A 39 sei „insbesondere für die wirtschaftliche Entwicklung unseres Nordkreises ein zentraler Meilenstein“, ist Heilmann überzeugt. „Für dieses Projekt bündeln wir unsere Ressourcen und arbeiten gemeinsam an einer schnellen Umsetzung.“ SPD-Parteigrößen aus der Region – die Bundestagsabgeordneten Hubertus Heil und Falko Mohrs sowie den Landtagsabgeordneten Philipp Raulfs – wisse er dabei an seiner Seite.

Dass Heilmann diesen Schulterschluss gerade jetzt sucht und herausstellt, und dass die Zahl öffentlicher Bekenntnisse pro A 39 zuletzt zugenommen hat, darf wohl als Zeichen gewertet werden, dass hinter den Kulissen durchaus noch Anstrengungen nötig sind, um die von vielen Bürgern bereits sicher geglaubte Autobahn in trockene Tücher zu bringen. Der Gifhorner Landrat plant unter anderem ein Gespräch in dieser Sache mit Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil und hofft, auch einen Termin mit Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) anberaumen zu können.

Im Bundesverkehrswegeplan steht das A 39-Projekt im vordringlichen Bedarf. Die Sperrung der maroden Talbrücke Rahmede bei Lüdenscheid, wo der Fernverkehr der A 45 nun durch die Stadt rollt, hat allerdings ein Problem ganz deutlich gemacht: Das Autobahnnetz, besonders die Brücken, muss an vielen Stellen erneuert werden. Der „Spiegel“ schreibt von „10 000 Kilometer Sanierungsstau“. Sanierung ist nicht Neubau, aber allein die 106 Kilometer zwischen Lüneburg und Wolfsburg werden mit etwa 1,1 Milliarden Euro veranschlagt, und diese Rechnung ist von 2014. Der große Sanierungsbedarf ist dieser Tage ein von A 39-Gegnern gern ins Feld geführtes Argument.

Bundespolitiker Heil verweist laut Mitteilung des Landkreises Gifhorn darauf, dass die A 39 die Autobahnen 2 und 7 sowie die B 4 entlasten werde. Der Lückenschluss sei daher „sowohl aus wirtschaftlichen als auch aus Nachhaltigkeitsgesichtspunkten richtig“. Zugleich erwarte er wichtige Impulse für die Ansiedlung neuer Unternehmen mit neuen Arbeitsplätzen – er werde sich deshalb in Berlin „weiter mit voller Kraft“ für die Autobahn einsetzen, verspricht Heil, der ja auch Bundesminister für Arbeit ist. Mohrs und Raulfs betonen ebenfalls, dass sie dem Ausbau große Bedeutung beimessen und sich in Berlin und Hannover dafür starkmachen wollen.

Für den Gifhorner Nordkreis wäre die A 39 natürlich insbesondere vor dem Hintergrund der Standortsuche von Volkswagen für ein neues E-Auto-Werk wichtig, wenn nicht gar essenziell. Bekanntlich hat der Landkreis Gifhorn seinen Hut in den Ring geworfen. Mit einer Entscheidung des Autobauers wird für das erste Quartal gerechnet.

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