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Der Bundeskanzler auf Mission Zuversicht

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Von: Holger Boden

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Olaf Scholz schmunzelt in Richtung der Zuschauer, Moderatorin Melanie Blenke schaut lächelnd zu.
Ein Lächeln für Gifhorn: Bundeskanzler Olaf Scholz und Moderatorin Melanie Blenke. © Boden, Holger

Gifhorn – Am Ende gab’s eine lange Schlange: Scheinbar fast jeder der 150 Besucher des „Kanzlergesprächs“ wollte am Dienstagabend in der Gifhorner Stadthalle ein Foto von sich und Olaf Scholz gemacht haben, und der Regierungschef stand dafür geduldig lächelnd vor den auf ihn gerichteten Kameras und Smartphones. Zuvor hatte Scholz 90 Minuten lang Fragen der Bürger beantwortet, die nicht nur aus dem Kreis Gifhorn, sondern auch aus den Bereichen Wolfsburg, Wolfenbüttel und Peine angereist waren.

Warum Gifhorn als vierte Station der Reihe, die den Kanzler schon nach Lübeck, Magdeburg und Essen geführt hatte? „Deutschland besteht nicht nur aus Großstädten“, sagt Scholz, als Moderatorin Melanie Blenke eingangs danach fragt. Es sei wichtig, so der SPD-Mann, überall die Möglichkeit zum Gespräch zu bieten.

Was folgt, ist ein Abend, an dem überraschend wenig nach dem Krieg in der Ukraine gefragt wird, nach Telefonaten mit Putin, Biden, Selensky oder Macron, nach möglichen Erkenntnissen über weitere Entwicklungen. Vielleicht haben auch einige der 150 Teilnehmer solche Fragen auf dem Zettel, doch nicht jeder kommt an die Reihe, dafür reicht die Zeit nicht. Am erstaunlichsten jedoch, dass nicht ein einziges Mal das Wort „China“ im Zusammenhang mit „Hafen“ thematisiert wird.

Von sich aus geht der Kanzler an einer Stelle des Abends auf den Umgang mit der Kriegssituation in Osteuropa ein: „Es ist wichtig, dass man jetzt abgewogene, besonnene und richtige Entscheidungen trifft.“ Man dürfe sich „nicht beirren lassen“, denn es sei „wirklich eine gefährliche Situation“.

Was mehreren Bürgern am Herzen liegt: die vom russischen Angriff ausgelöste Energiekrise und alles, was dadurch noch so ins Rollen gekommen ist. Scholz, der den ganzen Abend über ruhig und selbstsicher auftritt, will Zuversicht vermitteln. Die Gasspeicher? Besser gefüllt als vor einem Jahr. Man habe neue Import-Wege für Energie aufgebaut, dazu auch den Weiterbetrieb der drei verbliebenen Atomkraftwerke beschlossen. Und die Regierung arbeite daran, dass langfristig die Energiepreise sinken – indem sie auf erneuerbare Energien setze. „Wir dürfen uns nie abhängig machen von einem Land“, wird Scholz im weiteren Verlauf des Abends mit Blick auf Energie-Import sagen.

Der Schutz des Klimas, das betont Scholz in der Gifhorner Stadthalle, sei eine zentrale Aufgabe. Und Deutschland sehe er dabei in einer wichtigen Rolle, denn es gehöre zu den wenigen Ländern, die über die Technologie verfügen, Klimaschutz und Wohlstand in Einklang zu bringen. In den 30er Jahren dieses Jahrhunderts werde man Kraftwerke bauen, die anfangs mit Gas betrieben werden und dann mit Wasserstoff. An solchen Weichenstellungen arbeite man gerade. Die Botschaft: gut gemachter Klimaschutz als Chance, ökonomischen und ökologischen Fortschritt in Einklang zu bringen. Für Photovoltaik stellt der Kanzler für die nächsten Jahre Zinszuschüsse in Aussicht.

(Den vollständigen Artikel finden Sie in der Print-Ausgabe und dem E-Paper des Isenhagener Kreisblatts vom 3. November.)

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