IK-Wetterexperte: Auf Kaltstart im Dezember könnte Durchschnittswinter folgen

Dauerfrost zum 1. Advent

So schön kann ein Wintermorgen sein: Schneelandschaft bei Alt-Isenhagen. Anfang Dezember soll der Winter im Isenhagener Land einen Kaltstart hinlegen, prognostiziert IK-Wetterexperte „Zaki“. Ab Mittwoch soll es den ersten Schneefall geben. Archivfoto: Boden

Isenhagener Land. Ende November stellt sich nun die Frage nach der Härte des anstehenden Winters.

Werden uns milde Atlantikwinde wieder viel norddeutsches Schmuddelwetter bringen wie zuletzt, oder wird der Winter kernfest und von Dauer sein wie 2009/2010? Damals waren nach einem sehr milden November alle drei Wintermonate zum Teil erheblich zu kalt (im Januar in Wittingen um 4,2 Grad) und so schneereich wie seit 1987 nicht mehr.

Verschiedene internationale Wetterdienste sehen den mitteleuropäischen Winter eher „Middle of the Road“, wie die Briten sagen würden. Einen eher durchschnittlichen bis zu milden Winter erwartet auch der Deutsche Wetterdienst in seiner neuen Jahreszeitenprognose. Jedoch sind Trendaussagen über mehrere Monate hinweg mit Vorsicht zu genießen.

Auch die einschlägigen Bauernregeln, die die Strenge des Winters aus der Vorwitterung ableiten, geben diesmal keinen Hinweis. So heißt es: „Ist der September lind, wird der Winter ein Kind“ und „Ist der Oktober warm und fein, kommt ein scharfer Winter drein, ist er aber nass und kühl, mild der Winter werden will.“ Beide Regeln haben sich unter Annahme bestimmter Randbedingungen immer wieder bestätigt. Nur diesmal passen sie gar nicht, denn der September wie auch der Oktober waren nur durchschnittlich warm, und ein erheblich zu nasser Oktober macht für sich genommen noch keinen Wintertrend.

So zeichnet sich als wahrscheinlichste Variante normales bis etwas zu mildes Winterwetter ab, das uns dann auch recht viel trübes Schmuddelwetter bringt. Allerdings legt der Winter ab Anfang Dezember einen Kaltstart hin. Hochdruckgebiete, die sich ab nächster Woche zwischen Grönland und Nordwestrussland tummeln, könnten uns wie vor zwei Jahren aus Nord bis Ost anhaltend mit viel Frostluft versorgen. Dies wäre für Schnee- und Eisfans zumindest im Dezember ein kleiner Hoffnungsschimmer.

Neueste wissenschaftliche Untersuchungen haben zudem gezeigt, dass der mitteleuropäische Winter trotz der Klima-Erwärmung in Zukunft sogar kälter werden könnte. Hintergrund ist der massive Schwund des arktischen Meereises, dessen Ausdehnung derzeit im Bereich des Rekordminimums von 2007 verharrt. Durch die zu hohen Wassertemperaturen frieren große Gebiete der Barents- und Karasee vor Nordskandinavien und Nordwestrussland nicht mehr oder nur noch teilweise zu. Dadurch können sich winterliche Hochdruckgebiete dort offenbar leichter festsetzen als früher. An ihrer Nordostflanke wird dann extrem kalte Luft aus der zentralen Arktis angezapft, die über Nordwestsibirien auf direktem Weg nach Mitteleuropa gelangen kann. So geschehen Anfang Dezember 2010 und in diesem Jahr ab Ende Januar, als sich nach ungewöhnlich milden Winterwochen der arktische Eisschrank plötzlich für zehn Tage öffnete und Nordost-Niedersachsen von Frostluft bis minus 23 Grad, am Boden nahe minus 25 Grad, geflutet wurde.

Eine derartige Wetterlage zeichnet sich zwar noch nicht ab, obwohl wir uns ab nächstem Mittwoch auf frühwinterliche Verhältnisse mit Flockenwirbel und Dauerfrost zum ersten Adventswochenende einstellen müssen. Schnee Anfang Dezember ist aber noch kein Hinweis auf ein weißes Christfest. Denn unmittelbar vor oder genau zu den Feiertagen droht noch das berüchtigte Weihnachts-Tauwetter. Wo es in Sachen weiße Weihnacht hingeht, lässt sich daher frühestens eine Woche bis zehn Tage vor dem Fest sagen.

Von Reinhard Zakrzewski

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