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Das Hospiz in Gifhorn ist eröffnet

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Von: Burkhard Ohse

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Der Speisesaal im neuen Gifhorner Hospiz.
Der Speisesaal im neuen Hospiz ist großzügig eingerichtet. © Ohse, Burkhard

Gifhorn – Am Ende der öffentlichen Einweihung und vor dem Rundgang durch das neue Hospiz in Gifhorn überreichte Alexander Michel, Vorsitzender des Vorstands der Hospiz-Stiftung, vier Schlüsselbünde mit alten, riesigen Bartschlüsseln: an die beiden Betreiber, Bettina Tews-Harms und Dr. Wigand von Laffert, Ingrid Pahlmann, Vorsitzende der ambulanten Hospizarbeit und Wolfgang Göhmann, stellvertretender Vorsitzender des Palliativnetzes. Das war aber nur symbolisch, denn die Türen im nagelneuen Gebäude werden alle mit digital programmierten Kontakten geöffnet.

Zuvor berichtete Michel über den langwierigen Weg von der ersten Idee des Hospizes bis zur gestrigen Eröffnung. 2012 hatte man sich bereits Gedanken gemacht. Palliativarzt Jörg Dreyer überzeugte von der Notwendigkeit und am 20. Dezember 2013 wurde eine Stiftung gegründet, die den Bau des Hospiz in die Wege leiten, aber auch die Wohlfahrtspflege im Blick haben sollte. Die Suche nach einem Grundstück erwies sich als schwierig. Mehr als sieben Standorte wurde geprüft, scheiterten zumeist an „schwierigen Nachbarn“ und bisweilen utopischen finanziellen Forderungen, bis man 2018 im Garten der Villa Wiggers einen geeigneten Standort fand. Auch da war viel Bürokratie zu bewältigen, etliche Gutachten bezüglich Überschwemmungsgebiet oder Kriegswaffenlasten einzuholen und wegen der benachbarten Villa vor allem der Denkmalschutz zu beachten. Alle Probleme und Aufgaben lösten Architektin Andrea Geister-Herbolzheimer und Generalunternehmer Heiko Mennenga, die, als der Spatenstich am 13. Oktober 2020 erfolgte, dann mit der Pandemie und Materialknappheit zu kämpfen hatten, berichtete Michel.

Beim Richtfest war schon Landrat Tobias Heilmann im Amt. „Wenn wir alle zusammenhalten, dann schaffen wir das. Hier haben alle an einem Strang gezogen“, lobte er gestern. Den kirchlichen Segen erteilten Superintendentin Sylvia Pfannschmidt und Pastoral-Referent Martin Wrasmann. Viel Lob gab es von allen Seiten für Michel und den Bauleiter Frank Jung und die vielen anderen Helfer bis hin zu den Spendern, sowohl den privaten als auch den Firmen. Denn der Bau kostete im Endeffekt 7,3 Millionen Euro, weitere 150 000 bis 250 000 Euro werden zudem jährlich benötigt, weil die Krankenkassen nur 95 Prozent der von ihnen anerkannten Kosten übernehmen, wie Michel sagte. Insgesamt war es keine einfache Geschichte, meinte er, man stand zeitweise auch schon vor dem Aufgeben. Aber mit den guten Strukturen vor Ort und im Kreis sowie den vielen Helfern hielten die Organisatoren durch.

Bis auf wenige Kleinigkeiten sind alle Arbeiten fristgerecht erledigt, sagte Michel. Auch die Außenanlagen sind fertig. Das Haus ist lichtdurchflutet und einladend, denn die Gäste sollen sich wohlfühlen, nicht zuletzt durch ein engagiertes Team unter der Pflegedienstleitung Katrin Böhme. Es verfügt über ein Spielzimmer für Kinder und einen Raum der Stille. Offiziell wird das Hospiz am 1. Oktober seinen Betrieb aufnehmen und dann bis zu zwölf Gästen Platz bieten. Es beherbergt außerdem die ambulante Hospizarbeit und das Palliativnetz, die bereits seit Anfang September eingezogen sind. Am Sonntag ist das Haus von 10 bis 17 Uhr für die Öffentlichkeit im Rahmen eines Tags der offenen Tür zugänglich.

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