Steimker ist sauer auf Nabu / Artenschutzzentrum stößt an seine Grenzen

„49 Cent/Minute ist Abzocke“

Das Nabu-Artenschutzzentrum in Leiferde nimmt kostenlos Tiere auf – wenn sie denn hingebracht werden. Foto: Archiv

Landkreis Gifhorn. Was Institutionen in Sachen Tierschutz zu leisten haben oder nicht, da scheinen die Meinungen auseinanderzugehen.

Ein Bürger aus Steimke meldete sich in der vergangenen Woche beim Isenhagener Kreisblatt und zeigte sich ziemlich erbost über das Verhalten der Mitarbeiter im Nabu-Artenschutzzentrum.

Wie der Mann im IK-Gespräch berichtet, fand er früh morgens eine Fledermaus auf seinem Rasen. „Zumindest äußerlich wies die Fledermaus keine Verletzungen auf. Dennoch rief ich bei meinem Tierarzt des Vertrauens an“, so der Steimker. Nur leider befand sich der gerade im Urlaub. Der zweite Tierarzt nahm nicht ab und der dritte meinte, er wolle die Fledermaus nicht behandeln.

Also klickte sich der Finder der Fledermaus auf die Homepage des Nabu und wählte die angebene Festnetznummer. Da sei aber nur ein Band mit Hinweis gelaufen, in Notfällen an Sonn- und Feiertagen eine kostenpflichtige 0900er-Nummer zu wählen. „Das ist für mich reine Abzocke der Leute, die sich für die Natur einsetzen wollen. 49 Cent pro Minute kostet der Anruf“, ist der Steimker wütend. Eine kostenpflichtige Nummer wählen zu müssen, sei eine Frechheit.

„Wir sind zu festen Bürozeiten telefonisch unter der Festnetznummer erreichbar. Außerhalb dieser Zeit läuft ein Band mit dem Hinweis auf die kostenpflichtige Nummer. Wir haben schließlich auch einen Tierbetrieb und können uns nicht rund um die Uhr um alles gleichzeitig kümmern“, beklagt Nabu-Leiterin Bärbel Rogoschik. Da auch dem Nabu die Zivildienstleistenden fehlen, gebe es keine andere Möglichkeit, telefonisch erreichbar zu sein. Sicher könne Rogoschik verstehen, dass so manchem die kostenpflichtige Rufnummer übel aufstößt, aber: „Wer einen Notfall hat, der sollte auch 49 Cent übrig haben.“ Dieser Service müsse schließlich auch bezahlt werden. Was an Mitteln übrig bleibe, fließe wieder in die Arbeit des Artenschutzzentrums. Generell habe man personelle Probleme. Zweieinhalb Mitarbeiter seien fest angestellt, unterstützt werde das Team von Praktikanten und freiwilligen Helfern.

„Ich kann aber nicht verstehen, dass niemand vom Nabu herauskommen wollte, um die Fledermaus abzuholen. Stattdessen sollte ich das Tier vorbei bringen“, kann der Steimker nicht nachvollziehen. Was ist mit Menschen, die zu alt sind oder einfach kein Auto haben? „Die können ja wohl schlecht den ÖPNV benutzen. Außerdem: Fledermäuse sind auch nicht ganz ungefährlich“, weiß der Steimker Anwohner. Schlussendlich hat er den Tierschutz Isenhagener Land informiert, der das Tier dann abgeholt habe und zum Nabu brachte. Für mich ist eine Fahrt zum Nabu ein Privatvergnügen, der Tierschutz kann die Fahrtkosten absetzen.“

„Wir fahren ein Mal die Woche mit kranken Tieren zur Tierärztlichen Hochschule nach Hannover. Das müssen wir auch alleine wuppen – personell und finanziell. Im Fernsehen sieht immer alles so toll aus. Hausbesuche bei Notrufen wird aber nur in zwei Großstädten angeboten – und zwar in Berlin und München. Dort teilen sich aber auch 14 Ärzte den Dienst“, weiß Rogoschik. Der Nabu könne höchstens den Service anbieten, dass jeder kostenlos sein Tier vorbeibringen kann. „Wer wirklich einem Tier in Not helfen möchte, findet garantiert jemanden, der ihn fährt.“ Ansonsten seien Tierärzte zur Ersten Hilfeleistung gesetzlich verpflichtet. Da gebe es keine Ausrede.

Von Carola Peiser

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