Bundestagswahl: Ingrid Pahlmann (CDU) deutlich geschlagen

Hubertus Heil (SPD) macht das Rennen

Hubertus Heil (SPD) bei der Stimmabgabe für die Bundestagswahl.
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Hubertus Heil (SPD) bei der Stimmabgabe für die Bundestagswahl.
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  • Paul Gerlach
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  • Holger Boden
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  • Burkhard Ohse

Landkreis Gifhorn – Das Ergebnis um 22.52 Uhr fiel mehr als deutlich aus: Bei der Bundestagswahl machte Hubertus Heil als Direktkandidat der SPD am Sonntag, 26. September, im Wahlkreis Gifhorn-Peine das Rennen. Der Peiner holte die meisten Erststimmen und siegte mit 43,7 Prozent – vor CDU-Bewerberin und Hauptkonkurrentin Ingrid Pahlmann mit 24,4 Prozent.

Heil, amtierender Minister für Arbeit und Soziales, konnte sich damit im Vergleich zur Bundestagswahl vor vier Jahren noch einmal steigern, als er sich 37,8 Prozent der Wählerstimmen gesichert hatte. Pahlmann musste kräftige Verluste bei den eingefahrenen Stimmen verkraften: 2017 hatte sie noch 36,1 Prozent erreicht.

Bei den Zweitstimmen setzte sich die SPD ebenfalls klar vor der CDU durch – mit 35,7 (2017: 30,1 Prozent) zu 23 Prozent (33,8 Prozent vor vier Jahren). Damit haben sich die Mehrheitsverhältnisse zwischen den beiden Parteien gedreht und die SPD nimmt den Platz an der Sonne ein.

Heil verbrachte den Wahlabend in Berlin, war aber zwischendurch bei der Wahlparty der SPD im Gifhorner Cappu-Bistro zugeschaltet. Dem IK sagte er am Telefon, sein Wahlergebnis werte er als „große Verpflichtung, weiterhin die Interessen der Region in Berlin zu vertreten“. Und wie geht es für den Gifhorner Abgeordneten persönlich in Berlin weiter? Bleibt er Arbeitsminister? „Da müssen wir die Sondierungsgespräche abwarten“, sagte Heil gestern Abend. „Wenn Olaf Scholz mich fragt, stehe ich bereit.“

Heil sagte zu den Ergebnissen auf Bundesebene: Der Wahlsieger heiße Olaf Scholz, das Resultat des Abends sei als Regierungsauftrag zu werten. Auf die Frage, wie es einzuordnen sei, wenn beide Volksparteien um die 25 Prozent holen, sagte Heil: „Wir sind nicht mehr in den 70er Jahren.“ Die SPD könne aber stolz darauf sein, dass sie am Ende „kräftig dazugewonnen“ habe, schließlich sei man ja schon fast abgeschrieben worden: „Wir lagen vor einem Jahr noch 20 Prozent hinter der Union zurück.“

„Ganz anders als erwartet“ gestaltete sich das Ergebnis der Bundestagswahl auf Bundesebene aus Sicht von Pahlmann, die derzeit im Bundestag sitzt. „Wir müssen mal sehen, wo wir herkommen. Das waren 20 Prozent, da sind wir nun deutlich drüber.“ Enttäuscht zeigte sie sich über ihr persönliches Ergebnis. „Aber da schlägt der Bundestrend voll durch“, meinte sie. Sie hatte auf mehr Stimmen für sich gehofft. „Aber gegen Hubertus Heil zu bestehen, ist schwierig, zumal er ja nun auch Bundesarbeitsminister ist.“ Daher habe sie nicht mit einem Direktmandat gerechnet. Ob es für einen Sitz für den Bundestag für Pahlmann über die Landesliste (Platz zwölf) reicht, war gestern Abend noch nicht klar. „Das muss man sehen. Das wird spannend. Das steht wohl erst morgen früh fest.“

Auf Platz drei bei den Erststimmen im Wahlkreis kam Grünen-Kandidat Henrik Werner ins Ziel, er holte 9,6 Prozent. Da seine Partei zudem ihr Ergebnis bei den Zweitstimmen mit 13,3 Prozent deutlich steigern konnte (7,2 Prozent in 2017), zeigte sich Werner „sehr froh“ über den Verlauf des Wahlabends. Insgesamt habe er sich auf Bundesebene von der Bundestagswahl aber „deutlich mehr erhofft“, mit Blick auf die Klimakrise bereite ihm das Wahlergebnis Sorgen.

Knapp hinter Werner kam Stefan Marzischewski-Drewes (AfD) mit 9,3 Prozent ins Ziel. Für ihn ein zufriedenstellendes Ergebnis: „Das ist okay.“ 10 Prozent seien das Ziel gewesen, dies sei im Kreis Gifhorn erreicht worden, insgesamt in Kombination mit dem Kreis Peine nicht. Nach 10,9 Prozent für die AfD bei den Zweitstimmen vor vier Jahren waren es diesmal 9,7 Prozent. Marzischewski-Drewes sprach von „rundum stabilen“ Ergebnissen am Wahlabend.

Nicht zufrieden hingegen war FDP-Kreisvorsitzender Dr. Herbert Schäpertöns. Kandidat Thomas Schellhorn landete bei 6,5 Prozent. Schäpertöns: „Das ist schade. Ich dachte, es wird ein bisschen mehr.“ Schellhorn habe aber auch starke Mitbewerber gehabt. Die FDP holte 9,9 Prozent im Wahlkreis und schnitt damit leicht besser ab als vor vier Jahren mit 8,4 Prozent.

Unzufrieden waren auch die Linken. Kandidat Andreas Mantzke, der 2,2 Prozent der Stimmen holte, sagte, dass man hinter den eigenen Erwartungen und den Ergebnissen von vor vier Jahren zurückgeblieben sei. Nach 6,1 Prozent in 2017 waren es jetzt für die Linken nur noch 2,5 Prozent im Wahlkreis. Dem Wahlkampf-Team sei kein Vorwurf zu machen, es habe alles gegeben, sagte Mantzke. Das Problem sei der allgemeine Bundestrend gewesen. Trotz aller Aktivitäten habe sich das Ergebnis daher „zum Negativen“ gewendet.

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