Frust beim Personal über Kammerbeitrag

Bumerang für Pflegebranche?

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Pflegebetriebe finden ohnehin schwer neue Mitarbeiter – nun kommt beim Personal auch noch Ärger über Zwangsbeiträge für die Pflegekammer hinzu. 

Landkreis Gifhorn – Eigentlich sollte sie der Branche den Rücken stärken – doch nun droht die neue Pflegekammer in Niedersachsen zum Bumerang für die Branche zu werden.

In einer Zeit, in der die Pflegebetriebe händeringend Personal suchen, sorgt die sogenannte Zwangsverkammerung für reichlich Frust bei den Mitarbeitern.

„Die Kollegen sind richtig angefressen“, sagt Kerstin Günther. Sie ist Betriebsratsvorsitzende beim DRK in Gifhorn. Der Kreisverband bietet stationäre und ambulante Pflege an, rund 500 Mitarbeiter sind in der Altenhilfe tätig. Das sind 500, die nun von der Zwangsverkammerung betroffen sind – und kurz vor Weihnachten einen Bescheid bekommen haben, dass sie 140 Euro zahlen sollen.

So viel kostet, fürs Erste, die Mitgliedschaft in der Kammer, pro Halbjahr.

Zugrundegelegt wird dabei zunächst ein Jahresgehalt von 70 000 Euro brutto. Davon soll jeder der rund 95 000 Pflegemitarbeiter in Niedersachsen künftig pro Jahr 0,4 Prozent – maximal 280 Euro – als Kammerbeitrag abführen. Ralf Fricke, der den Bereich Altenhilfe beim DRK-Kreisverband leitet, findet die Berechnungsgrundlage absurd: Das Durchschnittsgehalt liege gerade einmal zwischen 30- und 40.000 Euro.

Die Beschäftigten beschleicht das Gefühl, das sie von ihrem nicht üppigen Gehalt nun eine Interessenvertretung bezahlen sollen, die sie gar nicht wollen. „Tatsächlich“, so Günther, „spielen einige mit dem Gedanken, ihr Examen zurückzugeben.“ Das hätte dann Folgen für die Arbeitgeber, die auf eine ausreichend große Zahl von Fachkräften angewiesen sind.

Von Holger Boden

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