„Gifhorn gemeinsam“: Essen für Bedürftige in der Stadthalle lockt 60 Gäste

Bürgermeister bringt Braten

Gelungener Auftakt beim gestrigen Essen für Bedürftige: Bürgermeister Nerlich als Kellner bei dem Event unter dem Motto „Gifhorn gemeinsam“. Essen und Slogan sollen etabliert werden. Fotos: Kahl
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Gelungener Auftakt beim gestrigen Essen für Bedürftige: Bürgermeister Nerlich als Kellner bei dem Event unter dem Motto „Gifhorn gemeinsam“. Essen und Slogan sollen etabliert werden.
  • VonSteffen Kahl
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Gifhorn. Dampfendes Weihnachtsessen, kräftige Männerstimmen, festliche Dekoration – und als Krönung der Bürgermeister als Bedienung: Für 60 Gifhorner mit wenig Geld wurde das erste Essen für Bedürftige unter dem Motto „Gifhorn gemeinsam“ gestern zu einem Advents-Highlight.

So gab es für die Sänger des Gifhorner Männerchores sowie den Sänger und Gitarristen Doc Wolf reichlich Applaus, Pfiffe der Begeisterung und „Zugabe“-Rufe. Aber auch die kurzen Ansprachen von Uwe Bilau vom Tagestreff „Moin Moin“, Stadtratsmitglied Ralf Richter und Bürgermeister Matthias Nerlich zu Beginn der Veranstaltung trafen spürbar den richtigen Ton.

Richter, der nicht nur für die Grünen im Stadtrat sitzt, sondern auch Gifhorner Unternehmer ist, ist die treibende Kraft hinter dem neuen Angebot. Er schilderte gegenüber dem IK seine Inspiration durch Bruce Springsteen, der einst ein Album vor Obdachlosen vorstellte und Frank Zander, der in Berlin ein Weihnachtsessen für Bedürftige etabliert hat. „Ich wollte schon lange etwas Vergleichbares auf die Beine stellen“, sagte Richter. Er ergänzt im Hinblick auf die Zielgruppe: „Diese Menschen gehören zu unserer Gesellschaft, und viele gucken weg. Das wollte ich nicht.“

Die Initialzündung war Anfang des Jahres dann ein Gespräch mit Uwe Bilau vom Gifhorner Tagestreff für Wohnungslose „Moin Moin“, in dem es eigentlich um etwas anderes gehen sollte, aber letztlich die Idee für das gestrige Event geboren wurde, das die Stadt Gifhorn nach ihrem Bekunden sofort und unbürokratisch unterstützte.

„Zum Advent gehört, dass man gemeinsam feiert, deswegen fand dich die Anregung von Ralf Richter gleich toll“, erklärte Nerlich gegenüber dem IK. „Es sollen sich alle Menschen in der Stadt wohl fühlen – das ist ein Beitrag.“ Für Nerlich stellt das gestrige Essen quasi das festliche i-Tüpfelchen auf das soziale Engagement Gifhorns dar. Unter anderem würde auch der Tagestreff gefördert über das Budget des Kinderfonds, zudem zahlreiche Kinder in Sachen Schulessen und Schulstarter-Paket. „Ein Engagement, das es nicht überall gibt“, betonte der Bürgermeister für die Stadt.

Dass das Essen, wie beabsichtigt, keine „Show-Veranstaltung“ war, bestätigten die Eindrücke von Natalia König. Die Gifhornerin ist vierfache Mutter und muss derzeit noch warten, bis ihr Jüngster in den Kindergarten kommt, um wieder als Hauswirtschafterin arbeiten gehen zu können. „Ich kaufe nur das Nötigste in Geschäften. Butter, Milch, Salz, Zucker. Obst, Gemüse und Kinderspielzeug bekomme ich von der Tafel. Darüber bin ich sehr froh. So kann ich Geld sparen, falls der Kleine mal Medikamente braucht.“ Ein Traum wäre es für sie, mal wieder ein paar Tage an der Ostsee zu zelten. Das Essen erlebte sie als „Zeit zum Genießen“. Überhaupt strahlte sie trotz aller Schwierigkeiten Optimismus aus: „Ich bin dankbar für das, was ich habe.“

Von Steffen Kahl

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