Abriss-Zeitplan für B-4-Überführung in Gifhorn weiter ungewiss

Brücken bleiben im Blick

Die Bauarbeiten an der B-4-Brücke in Gifhorn sollten bereits laufen. Archivfoto: Ohse

Landkreis Gifhorn. Das Urteil der Tester des ADAC Anfang Juni war alarmierend: Die Brücken in deutschen Städten sind zum Teil in einem miserablen Zustand.

Von schlimmen Befunden wie sie beispielsweise in Lübeck diagnostiziert worden sind, sei man im Landkreis aber weit entfernt, sagen die Landesstraßenbaubehörde in Wolfenbüttel und die Kreisverwaltung in Gifhorn.

66 Überwege im Landkreis sind in der Obhut der Kreisverwaltung. „Unsere Brücken sehen ganz gut aus“, sagt Michael Dorner. Er ist der technische Mitarbeiter für die Brücken des Kreises. Im vergangenen Jahr ist mit der Sanierung der Brücke über die Oker in Didderse begonnen worden. Rund eine Million Euro werden bis einschließlich 2016 in den Erhalt des Bauwerks investiert, so Dorner. Daneben gebe es noch kleinere Maßnahmen in Teichgut und Dalldorf.

Richtschnur für alle Brücken-Ingenieure bei der Überprüfung ist die DIN-Norm 1076. Sie sieht vor, dass eine jährliche Sichtprüfung vorgenommen wird, alle sechs Jahre steht eine Hauptprüfung an und eine einfache Prüfung, die immer drei Jahre nach einer Hauptprüfung vorgenommen werden muss. Bei diesen obligatorischen Prüfungen habe man in den vergangene Jahren keine gravierenden Mängel festgestellt, die an der Standsicherheit irgendeiner Brücke des Landkreises rührten, sagt Dorner.

Mit einem Großprojekt hat es die Landestraßenbaubehörde mit der B-4-Brücke über die Celler Straße in Gifhorn zu tun. Sie soll abgerissen und neu errichtet werden. Der Abschnitt wird komplett gesperrt, der Verkehr großräumig umgeleitet. Die Frage ist, wann das 13,5 Millionen schwere Projekt, das eigentlich schon angegangen sein sollte, nun in Angriff genommen werden kann. Bei der Vergabe der Bauleistungen gibt es Probleme juristischer Natur. „Die Brücke ist im eigentlichen Sinne nicht marode, nur genügt sie den heutigen Anforderungen des Straßenverkehrs nicht mehr“, sagt Gerhard Kanter, zuständiger Brückenbauer bei der Straßenverkehrsbehörde in Wolfenbüttel. Für 24 Tonnen sei das Bauwerk aus den 60er Jahren damals konstruiert worden. In den vergangenen Jahrzehnten sind Lkw immer größer und schwerer geworden. Das Brückeninnere der Gifhorner Brücke sei für solche Lasten nicht ausgelegt, so Kanter.

Die B-4-Überführung sei zurzeit das einzige große Brückenprojekt, das die Behörde im Bereich ihrer Straßenmeisterei Vorsfelde (auch für den Landkreis zuständig) auf dem Tisch habe.

Im Bereich Wittingen liegen 17 der 114 Brücken des Sprengels der Vorsfelder Straßenmeisterei. Darunter die Überführung der B 244 über die Ise am Wittinger Sportboothafen. Das betagte Betonbauwerk aus dem Jahr 1927 sei genügsam, so Kanter. „Der Zustand der Brücke ist völlig unproblematisch.“ Aber auch über die kleine Konstruktion sind in den fast vergangenen 90 Jahren immer schwerere Lasten gerollt, die das Bauwerk strapazieren.

Von Jens Schopp

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