Kreis-Schulausschuss lehnt vierten Zug für Melanchton-Gymnasium ab

Brandbrief bleibt unerwähnt

Landkreis Gifhorn. Am Ende war’s Enttäuschung. Martin Hille, Direktor des Gymnasiums Hankensbüttel, hatte sich gestern Nachmittag eigentlich eine Reaktion des Schulausschusses des Landkreises auf seinen Brandbrief erhofft.

Martin Hille

Darin kritisiert er, dass sich das Hankensbütteler Gymnasium bei der Umsetzung der Inklusion alleine gelassen fühlt (das IK berichtete). Auf das Schreiben Hilles, das Teil der Ausschussvorlagen ist, ging das Gremium mit keinem Wort ein. Umso intensiver wurde hingegen das Für und Wider eines vierten Zuges für das konfessionelle Philipp-Melanchton-Gymnasium in Meine diskutiert.

„Ich hatte mir Äußerungen der Ausschussmitglieder zu meinem Brief gewünscht“, sagte Hille nach der Sitzung. Er hatte geschrieben, dass in den Gymnasien den Lehrern immer mehr Aufgaben zufallen, die eigentlich Sache von Sozialpädagogen sind. Nur: „Gymnasien sind die einzige Schul-form, für die keine Sozialpädagogen vorgesehen sind“, sagte Hille.

Durch den verstärkten Zulauf an den Gymnasien seien zunehmend eben auch Kinder dabei, die Auffäligkeiten zeigten. Hille betonte: „Ich bin für Inklusion. Jeder soll seine Chance bekommen. Nur die Rahmenbedingungen müssen stimmen.“ Die Gymnasien hätten im Land nach wie vor ein klares Bildungsziel. Nämlich das Abitur. Aber: „Schule muss mittlerweile an vielen Stellen zusätzlich Aufgaben wahrnehmen, die eigentlich in die Familie gehören“, so der Direktor.

Evelin Wißmann

Dass Gymnasien einen starken Zulauf haben, machte die Diskussion um den Antrag der CDU-Fraktion deutlich. Sie stellte erneut zur Abstimmung, dass das Philipp-Melanchton-Gymnasium (PMG) in Meine einen vierten Zug zugesprochen bekommt. Mit den Stimmen der Gruppe SPD, Grüne, Piraten und Linke wurde der Antrag abgelehnt. Mit einem vierten Zug könnte man einen Mindestwunsch der Eltern erfüllen, erläuterte Ingrid Richter (CDU). Die Konfessionsschule könne sogar sechs Züge einrichten, so Richter. „Der Platz in der Schule ist vorhanden. Ich sehe überhaupt keine Hürde dafür, dort einen vierten Zug zu genehmigen“, sagte CDU-Ausschussmitglied Jochen Gese. Fredegar Henze (Grüne) entgegnete, dass sich die Schülerzahlen insgesamt verringern werden. Er bezeichnete den aktuellen Zulauf zum PMG als „Modeerscheinung“. „Nicht jeder Schule, die gerade Zulauf hat, können wir einen neuen Zug genehmigen.“ Man müsse Schulpolitik „als Ganzes“ sehen. Evelin Wißmann, Erste Kreisrätin, sagte, man müsse die Entscheidung treffen, wo man die Schüler hinhaben will. Das Otto-Hahn-Gymnasium, das im Einzugsbereich des PMG liege, sei unlängst erst aufwändig saniert und modernisiert worden.

Von Jens Schopp

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