IHK zieht Bilanz der Nachvermittlung / Viele Lehrstellen-Angebote in der Region

Die Bewerber werden knapp

In der IHK-Region Lüneburg-Wolfsburg gibt es derzeit mehr als 750 Angebote für den Ausbildungsbeginn am 1. August. Foto: dpa

Landkreis Gifhorn. Die Situation auf dem Ausbildungsmarkt ist für Bewerber so komfortabel wie seit 20 Jahren nicht mehr. Zu diesem Ergebnis kommt die Industrie- und Handelskammer (IHK) Lüneburg-Wolfsburg nach Abschluss der Nachvermittlungsaktion 2011.

„Die Trendumkehr ist klar erkennbar: Den Betrieben gehen die Jugendlichen aus“, erklärt IHK-Hauptgeschäftsführer Michael Zeinert.

Jedes Jahr laden die Industrie- und Handelskammern gemeinsam Arbeitsagenturen und Handwerkskammern Jugendliche ein, die nach Beginn des Ausbildungsjahres am 1. August noch keine Lehrstelle gefunden haben. 2011 standen für die Nachvermittlung mehr Angebote als je zuvor zur Verfügung. Im Vergleich zum Vorjahr stieg die Zahl bundesweit um 20 Prozent auf 43 000. Doch nur rund 40 Prozent der betroffenen Jugendlichen hätte die Angebote in Anspruch genommen, sagt Zeinert. Sein Fazit: „Noch nie war das Interesse so gering“. So kamen im IHK-Bezirk Lüneburg-Wolfsburg, der unter anderem den Kreis Gifhorn umfasst, nur 42 Jugendliche zur Nachvermittlung. Jedem wurden durchschnittlich sieben offene Ausbildungsplätze oder Einstiegsqualifikationen angeboten.

„Die Betriebe hätten viel mehr Verträge abschließen können, wenn es mehr geeignete und ausbildungswillige Bewerber gäbe“, erläutert Zeinert. Dabei machten die Ausbildungsbetriebe bereits Zugeständnisse und stellten auch weniger gut qualifizierte Jugendliche ein. Mehr als 50 Prozent der Betriebe unterstützten ihre Auszubildenden mit Nachhilfe, um Bildungslücken auszugleichen.

Von Defiziten bei Bewerbern berichtet auch Sabine Jahn-Kepler, Geschäftsführerin der Gebrüder Mayer Produktions- und Vertriebs GmbH in Wahrenholz. „Die Qualität der Schulabgänger ist nicht mehr so hoch wie früher“, hat sie festgestellt. Das sei in den vergangenen vier bis fünf Jahren besonders deutlich geworden. Einige Bewerber hätten große schulische Lücken, etwa in der Rechtschreibung. „Auffällig ist, dass die jungen Leute die Schule meistens mit guten Noten verlassen, sie auf der Berufsschule dann aber einen Leistungseinbruch erleben“, sagt Jahn-Kepler im IK-Gespräch. Schuld daran ist ihrer Meinung nach vor allem das Bildungssystem: „Die Kinder selbst sind ja nicht dümmer als vor 20 Jahren.“

Roland Gerstler, Ausbildungsplatz-Akquisiteur in der IHK-Geschäftsstelle Wolfsburg, sieht noch ein anderes Problem: „Es gibt bestimmte Ausbildungsberufe, in die fast alle Jugendlichen rein wollen, wie Mechatroniker oder Bürokaufmann.“ Andere Berufe würden dagegen nur wenig nachgefragt. Daher empfiehlt Gerstler allen Bewerbern, Ausbildungs-Alternativen im Blick zu haben.

Unterdessen ist die Lehrstellensuche für den Ausbildungsbeginn am 1. August 2012 in vollem Gange. In der Region Lüneburg-Wolfsburg gibt es zurzeit mehr als 750 Lehrstellen-Angebote, einige davon sogar für den sofortigen Einstieg. Eine Übersicht über die freien Ausbildungsplätze auch im Kreis Gifhorn, bietet die IHK-Lehrstellenbörse online unter www. ihk-lueneburg.de/lehrstellen.

Von Bernd Schossadowski

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