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Beregnungsquote aussetzen?

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Von: Pascal Patrick Pfaff

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Trockene Felder im Isenhagener Land
Es hat schon begonnen: Beregnung gestern Vormittag unter wolkenlosem Himmel auf einem Feld bei Mannhagen. © Boden, Holger

Landkreis Gifhorn – Sollten sich die Prognosen der Wetterfrösche bewahrheiten, dann steht dem Landkreis Gifhorn noch eine Trockenperiode bis Mitte Mai bevor. Das hat natürlich Auswirkungen auf die Landwirtschaft. Was kommt auf die Bauern zu?

Zwar sei es kein neues Phänomen, dass im April und Mai Trockenheit herrscht, erklärt Klaus-Dieter Böse, Geschäftsführer des Gifhorner Landvolk-Kreisverbands. Allein: „Die Trockenheit bedeutet, dass Feldfrüchte dringend Wasser benötigen. Kriegen sie das nicht, dann kommt es unter Umständen zu einer Ertragsdepression.“ Dies sei etwa bei Mais, Kartoffeln oder Zuckerrüben so. „Das ist nicht schlimm, solange sie im Boden sind – keimen sie aber schon, dann wird es schwierig, weil das Wasser fehlt“, führt Böse aus.

Joachim Zeidler, Landwirtschaftsmeister und 1. Vorsitzender beim Gifhorner Landvolk, sieht es auch in Bezug auf Getreide so. Es sei vor allem eine Problematik, wenn die Pflanze im Wachstum ist. „Bei viel Trockenmasse braucht man beträchtlich Wasser. Gibt es dies nicht, dann dörrt die Pflanze. Die Normalerträge kann man dann abschreiben. Und bei den heutigen Dieselpreisen wird es für die Landwirte finanziell dann noch problematischer.“

In diesem Frühjahr sei die Beregnung der Felder wieder von größerer Bedeutung. „Jeder landwirtschaftliche Betrieb hat eine Wasserquote – und hier entscheidet man danach, welche Früchte die höhere Wertschöpfung haben, also den meisten Ertrag einbringen“, so Zeidler.

Es sei wichtig, die Felder zu beregnen, wenn sie unter dem Einfluss einer Trockenphase stehen – nur müsse abgewogen werden, wann dies geschieht. Böse: „Wir wissen ja nicht, wann wir das Wasser brauchen. In Anbetracht der Quote kann da auch vieles schon früh im Jahr verbraucht sein.“ Zwar sei die Situation in den letzten Jahren ähnlich gewesen, damals habe aber immer auch ein feuchter Sommer geholfen. 2018 und 2019 war das laut Böse nicht der Fall, weshalb oft Früchte vertrocknet seien.

„Wir vom Landvolk fordern deshalb, dass die Beregnungsquote ausgesetzt wird. Es muss sich schon in diesem Jahr an den Grundlagen dieser Regelung etwas ändern.“ Böse wendet sich dabei an die Untere Wasserbehörde, die beim Landkreis angesiedelt ist. Wie es diesbezüglich weitergeht, kann er aber noch nicht prognostizieren: „Es ist schwer einzuschätzen, wie der Landkreis reagiert.“

Zeidler würde sich über die Erhöhung der Beregnungsmengen freuen – auch „weil vor dem Hintergrund des Ukraine-Kriegs ein Mehr an Nahrungsmitteln dafür sorgen kann, den Hunger der Menschen zu lindern“. Er appelliert aber auch an die Verantwortung des Einzelnen: „Man sollte generell versuchen, Wasser zurückzuhalten, ohne Schäden im Inland zu haben. Die Flüssigkeit darf nicht zu schnell weglaufen.“ Ideen für Konzepte müssten von Ort zu Ort diskutiert werden; etwa der Einbau von Stauen.“

Ein anderes Thema ist für Zeidler indes ebenso gegenwärtig: die Düngerproblematik: „Wir zahlen momentan das fünf- bis sechsfache vom Preis aus dem letzten Jahr. Waren es da noch 16 Euro für 100 Kilo Flüssigdünger, so sind es im Herbst 2021 schon 50 Euro gewesen, heute dagegen über 90 Euro.“ Mancher Kollege habe Angst, dass die Aufwendungen höher sind als der finanzielle Ertrag.

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