„Beigeschmack bleibt“

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Im Kreis Gifhorn gibt es zwar nur wenige Gemüsebauern, aber dennoch haben auch sie mit finanziellen Einbußen zu kämpfen.

Gifhorn. „Gemüseerzeuger müssen entschädigt werden“, fordert Klaus-Dieter Böse. Der Geschäftsführer des Kreislandvolks Gifhorn kritisiert die Umgangsweise: „Es steht noch nicht 100-prozentig fest, dass der EHEC-Virus auf dem Gemüse sitzt, aber nun steht es unter Generalverdacht, was wiederum bei den Landwirten zu erheblichen finanziellen Einbußen führt.“

Böse spricht sogar von Vorverurteilung. „Der Betrieb aus Bienenbüttel, wo angeblich kontaminierte Sprossen ausgeliefert wurden, steht an der Wand. Der Besitzer kommt nie wieder auf die Beine“, beklagt Böse. Seiner Meinung nach sollten Einrichtungen wie das Robert-Koch-Institut wesentlich sensibler mit dem Thema in der Öffentlichkeit umgehen. Bundesweit würden Obst- und Gemüsebauern täglich 4 bis 5 Millionen Euro an Verlusten einfahren. „Wir haben in Deutschland qualitativ das beste Gemüse“, ist Böse überzeugt.

„Derzeit nehmen wir in Abstimmung mit dem Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit Proben von Lebensmitteln, die unter Verdacht stehen“, berichtet Kreisveterinär Dr. Mario Ruppert. Dazu werden in Niedersachsen alle Landkreise aufgefordert. Aus dem Kreis Gifhorn liegen derzeit Proben von zwei Betrieben zur Untersuchung in Hannover vor. Die Überprüfung von Gaststätten sei für das Veterinäramt derzeit kein Thema – erst wenn Betriebswege nachgewiesen oder Krankheitsfälle auffällig werden.

„Der EHEC-Virus hat Betriebe einige Mitarbeiter gekostet und finanzielle Einbußen. Und wenn die Quelle nicht gefunden wird, wird definitiv ein Beigeschmack bleiben“, ist Ruppert überzeugt. Denn die Quelle des Virus zu finden, sei eine Puzzlearbeit. Den Beigeschmack bekommen die Landwirte schon jetzt zu spüren. „Auch wenn wir im Kreis relativ wenig Gemüsebauern haben, leiden sie“, weiß Böse. Leider traue sich auch keiner nach vorne und zu sagen: „Bei uns ist alles in Ordnung.“

Heinz-Torsten Dürkop ist Obstbauer aus Osloß. Auf dem Markt verkauft er Äpfel und die komplette Palette an Gemüse. Das Gemüse kauft er bei einem Landwirt aus dem Raum Hannover dazu. „Wer jetzt Tomaten und Gurken produziert ist am Ende. Früher musste ich Gurken vorbestellen, jetzt stehen sie palettenweise rum“, erläutert Dürkop gegenüber dem IK die Situation. Die Einbußen seien spürbar, gleich am ersten Tag nach Bekanntwerden des Virus ging der Verkauf um 35 Prozent zurück. „Wir Landwirte übernehmen teilweise Beraterfunktion. Wir haben an unserem Stand den Nachweis von Untersuchungsergebnissen, aber ganz ehrlich: Das Vertrauen der Bürger ist erstmal dahin. Und es wird lange dauern, bis es wieder da ist“, beklagt Dürkop.

„Die Leidtragenden sind die Landwirte, dabei kippt niemand Gülle auf das Gemüse“, zeigt Böse Unverständnis. Seiner Meinung nach müsste die Quelle gefunden werden und erst dann dürfe man Obst und Gemüse „schlecht machen“. Dabei handelt es sich natürlich um ein schwieriges Unterfangen. Nur wenn es sich bei der Quelle um Dauerausscheidungen handelt – wenn in Spanien Gurken dauerhaft mit Abwasser beregnet würden – könnte man ihr auf die Spur kommen. Denn dann könnte man weiterhin kontaminierte Gurken finden.

Böse fordert eine Entschädigung für Gemüselandwirte, die ihre Ernte wegwerfen mussten. Angeblich sei etwas über die Rentenbank auferlegt worden.

Von Carola Peiser

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