Jeder zehnte Beschäftigte in Deutschland muss mit Arbeitslosengeld II aufstocken

Armut trotz Arbeit

Viele Bürger müssen ihr Gehalt mit Arbeitslosengeld II aufstocken. Foto: dpa
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Viele Bürger müssen ihr Gehalt mit Arbeitslosengeld II aufstocken.

Landkreis Gifhorn. Viele Eltern wollen ihren Kindern zu Weihnachten ein schönes Fest bescheren. Schwierig wird es dann nur, wenn sie trotz eines geregelten Einkommens nicht genug Geld aufwenden können, um Geschenke zu finanzieren.

Für viele Menschen in Deutschland ist das, nicht nur in der Weihnachtszeit, trauriger Alltag: Nach einem Bericht von Spiegel-Online ist fast jeder zehnte Beschäftigte in Deutschland im Jahr 2015 von Armut bedroht.

Was einige nicht wissen: Arbeitnehmer können in Deutschland trotz ihrer Erwerbstätigkeit Arbeitslosengeld II beziehen. Dies ist möglich, wenn der Lohn für sich und die Familie nicht zum Leben reicht. „Auch Selbstständige können aufstockend Arbeitslosengeld II beantragen“, erklärt Wiebke Saalfrank, Pressesprecherin der Agentur für Arbeit in Helmstedt.

Derzeit beziehen nach Angaben Saalfranks im Landkreis Gifhorn (mit Stand Juli 2016) 1764 Menschen zusätzlich zu ihrem Arbeitslohn Arbeitslosengeld II. Im Juli 2015 waren es 1922.

Es gelten diejenigen als armutsgefährdet, die über weniger als 60 Prozent des Durchschnittseinkommens verfügen. In Deutschland lag die Schwelle 2015 bei einem Jahresnettoeinkommen von 12 401 Euro für eine Einzelperson. „Nach unserer Statistik lag der Median der monatlichen Bruttoarbeitsentgelte der sozialversicherungspflichtig Vollzeitbeschäftigten im Landkreis Gifhorn im Dezember 2015 bei 2991 Euro“, sagte Saalfrank. Demnach sind Bürger aus dem Landkreis Gifhorn mit einem monatlichen Bruttogehalt unter 1794 Euro armutsgefährdet.

Landrat Andreas Ebel erklärt, dass der Landkreis Gifhorn die Anzahl derjenigen Menschen, die trotz einer Beschäftigung Arbeitslosengeld II beziehen müssen, mit großer Sorge beobachte. „Grundsätzlich vertrete ich die Ansicht, dass das Einkommen aus nichtselbstständiger Arbeit für den Lebensunterhalt auskömmlich sein muss. In den Fällen, in denen diese Forderung nicht erfüllt wird, stehen wir zur Unterstützung hilfsbedürftiger Personen bereit und beraten im Fachbereich Soziales und beim Jobcenter über die Möglichkeiten zur Schließung der Deckungslücke.“

Kreisrat Rolf Amelsberg hält dabei fest: „Unser besonderes Augenmerk gilt den Alleinerziehenden und den Langzeitarbeitssuchenden.“

Von Alina Pleuß

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