Kontaktloses Vereinsleben

Anpassungen der Regierung im Kreis Gifhorn nur schwer umsetzbar

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Zusammenkünfte wie diese in Zicherie im November 2019 mit einem Vortrag von Florian Preusse vom NABU werden in absehbarer Zeit nicht möglich sein. Die Bundesregierung hat deshalb vorübergehend das Vereinsrecht angepasst.

Landkreis Gifhorn – Ein Verein ist nichts ohne die Aktivität seiner Mitglieder. Versammlungen und Wahlen, je nach Aufgabengebiet und Mitgliederstärke in unterschiedlicher Ausprägung, bestimmen nicht nur das Vereinsleben, sondern sind oft in den Satzungen festgeschrieben und somit zwingend umzusetzen.

Aufgrund der Corona-Krise hat die Bundesregierung vor rund einem Monat das Vereinsrecht vorübergehend dahingehend angepasst, dass dringend notwendige Zusammenkünfte und Entscheide auch online oder als Umlaufbeschluss in Textform abgehandelt werden dürfen. Das IK hat nachgefragt, inwiefern die Änderungen für Vereine im Landkreis Gifhorn umsetzbar sind.

„Unsere Mitgliederversammlung ist davon tatsächlich betroffen“, sagt Florian Preusse. Der Vorsitzende des NABU-Kreisverbands Gifhorn erklärt, die Veranstaltung sei ursprünglich für Juni geplant gewesen. „Die Überlegungen gehen nun ohne konkretes Datum in Richtung Herbst.“ So sei zu hoffen, dass man nicht auf eine Online-Lösung zurückgreifen müsse.

„Wir können uns noch nicht festlegen. Es kristallisiert sich ja heraus, dass die Kontaktbeschränkungen noch etwas länger bleiben werden.“ Da könne es schon sein, dass man sich bei der nächsten Vorstandssitzung das Online-Verfahren genauer ansieht, so Preusse.

Probleme sieht der Diplom-Biologe jedoch auch. „Wir haben viele ältere Mitglieder, die online vielleicht gar nicht aktiv sind.“ Und bei über 3000 Mitgliedern könne die geforderte 50-Prozent-Beteiligung nicht gewährleistet werden.

Ebenfalls mit einer noch ausstehenden Sitzung hat der AWO-Kreisverband Gifhorn zu tun. Kirsten Blyszcz ist dort in der Verwaltung tätig und an den Vorbereitungen einer alternativen Lösung beteiligt. „Wir versuchen, das rechtlich korrekt umzusetzen.“

Angestrebt sei aber kein elektronischer Weg, sondern das Umlaufverfahren per Post. „Das ist aber auch eine Kostenfrage“, betont Blyszcz. „Zuerst muss die Vorstellung der Kandidaten schriftlich erfolgen und auf die Rückantwort gewartet werden.“ Als Nächstes müsse das gesamte Wahlprozedere herumgeschickt werden.

„Und auch hier muss den Mitgliedern ein gewisser Zeitrahmen zum Antworten eingeräumt werden“, sagt die Verwaltungsspezialistin. Danach erfolge die Auswertung der Antworten und eine erneute Information aller Beteiligten.

Logistisch sei das bei 34 Mitgliedern zwar durchführbar, aber Blyszcz weiß natürlich auch: „Das ist sehr arbeitsaufwendig und benötigt Wochen.“

VON ANDREAS URHAHN

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