Gifhorn: Wegen Veruntreuung zu zwei Jahren auf Bewährung verurteilt

Amtsgericht zieht Schlussstrich: Zwei Jahre auf Bewährung für Ex-Geschäftsführer

Wegen gewerbsmäßiger Veruntreuung stand gestern ein ehemaliger Geschäftsführer einer Druckerei aus dem Nordkreis vor dem Gifhorner Amtsgericht.
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Wegen gewerbsmäßiger Veruntreuung stand gestern ein ehemaliger Geschäftsführer einer Druckerei aus dem Nordkreis vor dem Gifhorner Amtsgericht.

Gifhorn. Eigentlich hatten die beteiligten Parteien mit den Vorkommnissen schon abgeschlossen. Aber Tipps von Unbekannten holen einen ehemaligen Geschäftsführer einer Druckerei im Nordkreis immer wieder ein.

Gestern stand er wegen gewerbsmäßiger Veruntreuung vor dem Schöffengericht. Der 50-Jährige hatte in den Jahren 2010 bis 2012 in 23 Fällen Gelder aus Prämienrückzahlungen von Versicherungen, die eigentlich der Firma zustanden, in die eigene Tasche gesteckt. Die Beträge variierten zwischen 300 und 45 000 Euro, insgesamt ging es um einen Betrag in Höhe von weit über 100 000 Euro.

In weiteren neun Fällen sicherte er sich insgesamt 4500 Euro durch fingierte Rechnungen, die ihm ein Geschäftspartner ausstellte. Dieser war ebenfalls gestern vor dem Schöffengericht wegen Betrugs angeklagt. „Ich hatte Angst, die Firma als Kunden zu verlieren“, gab der Geschäftspartner an.

Auch das Motiv des ehemaligen Druckerei-Geschäftsführers interessierte Staatsanwalt und Schöffengericht. „Ich versprach meinem Vater auf dem Sterbebett, sein Erbe anzutreten“, erklärte er. Doch damit erbte er Schulden, die er als Auslöser der Griffe in die Kasse der Firma nannte. Mit der Firma hatte er nach Bekanntwerden eine Übereinkunft getroffen, den Schaden wieder gut zumachen. Der entwendete Betrag, dazu nicht unerhebliche weitere Zahlungen, die die Firma für ihre Ermittlungen geltend machte, fraßen fast die vereinbarte Abfindung in Höhe von rund 350 000 Euro auf. Dafür verzichtete die Firma auf eine Strafanzeige.

Doch durch Hinweise von Unbekannten verlor der Angeklagte seinen nächsten Job bei einer Hamburger Firma, „Anfeindungen“ im Wohnort ließen ihn und seine Familie in ein anderes Bundesland umziehen. Auch bei seinem jetzigen Arbeitgeber verfolge man das Verfahren. Der dortige Betriebsrat hatte einen Wink bekommen, sagte der Angeklagte, der wie sein Geschäftspartner ein umfangreiches Geständnis ablegte.

Aufgrund der Motivlage stimmte der Staatsanwalt einer Einstellung des Verfahrens beim zweiten Angeklagten, der den Schaden von 4500 Euro bereits beglichen hat, zu. Eine Einstellung des Verfahrens bei dem ehemaligen Druckerei-Geschäftsführer kam jedoch nicht in Betracht. Zu hoch waren einige entwendete Beträge, zudem lag ein gewerbsmäßiges Handeln vor, sagte der Staatsanwalt.

Unter anderem wegen des Geständnisses, der Motivlage und der vergangenen Zeit forderte er eine Gesamtfreiheitsstrafe von einem Jahr und drei Monaten, zwei Jahre zur Bewährung. Einen Bewährungshelfer hielt er nicht für notwendig. Dazu sollte eine Geldbuße von 3000 Euro kommen.

Das Schöffengericht folgte dem Antrag der Staatsanwaltschaft, erließ aber die 3000 Euro Geldbuße. „Im Gegensatz zu anderen muss man ihnen das nicht Monat für Monat in Erinnerung rufen. Aber sie haben großen Mist angerichtet“, sagte der Richter.

Deutliche Worte fand er für die unbekannten Tippgeber: „Es ist mehr als fragwürdig, warum man das immer wieder aus dem Hut zaubert und ihnen nachträglich das Leben schwer macht. Damit muss auch mal Schluss sein.“

Von Burkhard Ohse

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