Die Erde zu Grabe getragen

Aktion von Fridays for Future auf dem Gifhorner Schillerplatz

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Die Knesebecker Pastorin Christina vom Brocke (l.) hielt die Trauerrede. 

Gifhorn – „Mama, was machen die da?“ Ein kleines Mädchen kam mit Mutter und Schwester dem Trauerzug in der Gifhorner Fußgängerzone entgegen.

Die Aktivisten von Fridays for Future, dem Anlass entsprechend dunkel gekleidet, trugen einen Sarg durch die Innenstadt, um symbolisch den Planeten Erde zu Grabe zu tragen.

Vom Schillerplatz aus ging es los, am Marktplatz wurde der Sarg abgestellt, mit Rosen bedeckt, dazu wurden Trauerreden gehalten. Da wurde dann auch erklärt, was die Aktion zeigen sollte. „Mörder: Mensch“ stand auf dem einen Schild, „R.I.P. Erde“ auf einem anderen. Pastor Michal Groh von der St. Nicolai-Gemeinde und die Knesebecker Pastorin Christina vom Brocke zitierten in den Trauerreden aus der Bibel. Die Propheten haben schon damals Dürren vorhergesagt, berichtete Groh und bezog sich auf die beiden vergangenen sehr trockenen Sommer. Damit habe Gott die Menschen für ihren Ungehorsam bestrafen wollen. „Heute muss uns Gott nicht mehr bestrafen, der Mensch be-straft sich selbst“, stellte Groh anlässlich des Klimawandels fest. „Wir beerdigen hier Ignoranz, Dummheit und das Leugnen des Klimawandels“, sagte Philip Knotz von Fridays for Future. „Den Klimawandel gibt es, und wir Menschen werden zugrunde gehen.“ Aber noch habe man die Möglichkeit zu handeln. Denn man wolle nicht in ein paar Jahren die Menschheit wirklich beerdigen.

„Wir beerdigen heute symbolisch die Erde, denn der Planet stirbt uns quasi unter den Füßen weg“, fügte Fridays for Future-Sprecherin Jennifer Zauter aus Schönewörde hinzu. „Was man kennt, das schützt man, was man bewundert, das liebt man“, erklärte vom Brocke und forderte mehr Kultur- und Völkerkunde in Schulen, Fernsehen oder auf den Handys. „Viel habt ihr schon bewegt. Ihr habt Politik und Bürger aufgeschreckt. Denn ein ‚Weiter so!‘ führt ins Unheil“, sagte sie an die Demonstranten gewandt. Dabei gehe es nicht darum, sich und den anderen das Leben zu verdrießen, sondern das Leben zu genießen. Statt Dürre, Flut und Hunger zu erleben solle man immer wieder das Leben feiern können. „Es ist Zeit, dass wir Schluss machen mit dem Ignorieren von Fakten“, forderte sie.

Der helle Holzsarg war von einem Bestatter aus Grassel zur Verfügung gestellt worden und wurde wieder abgeholt, nachdem er rund eine halbe Stunde auf dem Marktplatz gestanden hatte.

Mit dem Zug wurden auch Plakate mit den nächsten Terminen hochgehalten. Am Freitag, 29. November, gibt es ab 10.30 Uhr den nächsten Klimastreik auf dem Schillerplatz mit dem Umzug zum Marktplatz, an dem sich alle Gifhorner beteiligen können. Mit weiteren Gruppen wie den Parents for Future wird es ab dann 14 Uhr noch den alternativen Weihnachtsmarkt auf dem Schillerplatz geben.

VON BURKHARD OHSE

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