ZGB hält 100-Prozent-Versorgung aus Erneuerbaren Energien für möglich

Adieu Öl, adieu Gas

Ein Windrad der Windwärts GmbH bei Hannover zeigt es an: Die Zukunft der Energieversorgung ist bunt. Foto: picture-alliance/dpa

Braunschweig/Wolfenbüttel. „Die 100-Prozent-Erneuerbare Energie-Region ist machbar“ – das ist die Kernbotschaft, die der Zweckverband Großraum Braunschweig (ZGB) gestern in Wolfenbüttel verkündet hat.

Vertretern aus Wirtschaft, Politik und Verbänden wurde dort allerdings auch mit auf den Weg gegeben, dass „erhebliche Anstrengungen zur Einsparung von Energie, bei der Steigerung der Energieeffizienz und beim Ausbau der Erneuerbaren Energien notwendig“ sein werden.

„Es wird eine radikale Umgestaltung des Energiemarkts erforderlich sein“, erklärt Regionalplaner Siegfried Thom, beim ZGB zuständig für Energiefragen. Greifen alle Räder ineinander, dann, so glaubt man beim ZGB, können in der Tat um das Jahr 2050 die fossilen Energieträger Öl und Gas komplett substituierbar sein.

Ein großer Mosaikstein ist dabei die Energie-Einsparung, vor allem in Form von Dämmung. Beim ZGB hält man hier weiterhin staatliche Fördermaßnahmen für Hausbesitzer für angebracht. Etwa 50 Prozent der Energie in der Region werden zur Wärmeerzeugung benötigt, je 25 Prozent entfallen auf Mobilität und Stromversorgung.

Strom wird die Zukunft dominieren. Mit Windkraft und Photovoltaik werden zwei regenerative Energiequellen immer weiter ausgebaut werden. Nicht nur die vieldiskutierte Elektromobilität spielt im Szenario des ZGB eine große Rolle – Thom ist auch überzeugt, dass der Wärmebedarf in nicht allzu ferner Zukunft zu einem großen Teil über Strom abgedeckt wird. Er sieht eine „Rückkehr der Nachtspeicheröfen“, in einer moderneren und effizienteren Form freilich.

Eine „große Herausforderung“ sei die Speicherung elektrischer Energie, sagt Thom. Dies gelte sowohl auf großer Ebene – etwa über Pumpspeicher im Harz – wie auch mit Blick auf Lösungen für Haushalte, die der technische Fortschritt hoffentlich ermöglichen werde.

Schon jetzt deckt rein rechnerisch die Stromerzeugung aus alternativen Quellen etwa 25 Prozent des Strombedarfs in der Region. Der Großraum liegt damit über dem Bundesdurchschnitt (15 Prozent), doch bis zum 100-Prozent-Ziel ist es noch ein weiter Weg.

Der ZGB und die drei von ihm beauftragten Fachbüros skizzieren in ihrer Analyse „Basispotenziale“ und „Maximalpotenziale“. Schon die Basispotenziale auszuschöpfen, bedeute eine „gewaltige Anstrengung“, sagt Thom – aber diese könne vielleicht fast reichen.

Die Maximal-Variante sei daneben ein „etwas provokantes“ Szenario einer Region, in der die selbstständige Schaffung von Versorgungssicherheit höchste Priorität bekommt. Neue Windparks, Solartechnik auf allen Dächern – und auch auf vielen Äckern. 50 Prozent der „entbehrlichen landwirtschaftlich genutzten Flächen“ wären laut Thom in dieser Rechnung für Photovoltaik zu reservieren. Die Gutachter würden bei dieser Technik mit einem höheren Wirkungsgrad rechnen als beim Biogas.

Möglicherweise wird die Wahrheit, wie so oft, irgendwo in der Mitte liegen. Klar scheint: Um auch die Großindustrie in der Region (Wolfsburg, Salzgitter) komplett mit regenerativer Energie zu versorgen, muss wohl mehr als das Basispotenzial ausgeschöpft werden. Neben Windkraft (auch „über Wald“) und Sonne spielen natürlich auch Wasserkraft, Biomasse und Geothermie eine Rolle in den Überlegungen.

Am Ende der ZGB-Überlegungen soll unter anderem eine Fortschreibung des Regionalen Raumordnungsprogramms stehen – da steht dann zum Beispiel drin, wo neue Windräder stehen dürfen. Zudem soll ein Leitbild für Verbraucher und Unternehmen dabei herauskommen.

Da steht dann sicher auch drin, dass Weihnachtsbeleuchtung kein Grund für ein schlechtes Gewissen sein muss. Thom: „Da setzen wir auf Effizienzsteigerungen. Mit LED-Leuchten ist das kein Problem. Die Weihnachtsbeleuchtung kann dann bleiben.“

Von Holger Boden

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