70-Jähriger aus dem Landkreis Gifhorn muss hinter Gitter

Acht Jahre für Kindesmissbrauch

Spätherbst vor dem Hildesheimer Landgericht.
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Acht Jahre muss ein 70-Jähriger aus dem Landkreis Gifhorn nach dem Urteil des Landgerichts Hildesheim hinter Gitter.
  • VonBurkhard Ohse
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Gifhorn/Hildesheim – Für acht Jahre muss ein 70-Jähriger aus dem Landkreis Gifhorn hinter Gitter. Die Jugendschutzkammer des Landgerichts Hildesheim verurteilte ihn dazu wegen des schweren sexuellen Missbrauchs einer Neunjährigen in zwei Fällen im Jahre 2014. Mit einbezogen wurde ein bereits 2018 ergangenes Urteil des Landgerichts, bei dem der Angeklagte in weiteren 26 Fällen vier junge Mädchen schwer sexuell missbraucht hatte.

Der 70-Jährige, der der Verhandlung zumeist mit gesenktem Kopf folgte, war von Anfang an vollumfänglich geständig, vor allem, nachdem ihn sein Verteidiger an die vorherige gemeinsame Absprache erinnerte.

Das Opfer hatte zwei Tage Schmerzen, leidet aber heute nach eigener Aussage nicht mehr unter den Taten, wie auf einem Video ihrer Vernehmung zu hören war.

Schon bei den früheren Taten konnte von Zufall keine Rede sein. Denn da hatte er 1986 seine Nichte und 2014/15 mehrere weitere Mädchen aus seinem Umkreis schwer missbraucht. Die Kinder kamen alle aus seinem Nahumfeld, waren Töchter von Freundinnen seiner Frau. Nach und nach erschlich er sich das Vertrauen der Kinder, gemeinsam wurden pornografische Filme angesehen, bevor es zu den Übergriffen kam. Ein Fall endete in einem versuchten Geschlechtsverkehr, der aber abgebrochen wurde, „weil das Mädchen verkrampfte“.

Der psychiatrische Gutachter beschrieb den Lebensweg des Angeklagten. Aufgewachsen im Arbeitermilieu, wenig erfolgreich in der Schule, aber mit Abschluss, absolvierte er eine Handwerkerlehre, bevor er Zeitsoldat wurde. Aus seiner Kindergartenzeit hatte der Angeklagte ihm berichtet, selber missbraucht worden zu sein, als ihn eine Erzieherin zum Oralverkehr zwang. „Pädophile Neigungen sind bei ihm eindeutig feststellbar“, sagte der Sachverständige, was sich auch darin zeige, dass sich der Angeklagte für seine Ehen beide Male erheblich jüngere Frauen mit kindlichem Aussehen nahm, auch wenn er bisweilen andere Beziehungen einging. „Aber gleichaltrige Frauen interessieren ihn nicht“, so der Psychiater.

Trotz eines zeitweise „übermäßigen Alkoholgenusses“ und der Pädophilie sei weder ein Maßregelvollzug noch eine Sicherungsverwahrung anwendbar, sagte er. Persönlichkeitsstörung, Schuldunfähigkeit oder Wahrnehmungsverlust lägen bei dem „durchschnittlich intelligenten“ Angeklagten nicht vor. Der Angeklagte sei kein „Hangtäter“, weil es immer auch Lebensphasen gegeben habe, in denen er seine Pädophilie nicht auslebte.

Seine zunächst schwankende Aussage beweise, dass der Angeklagte trotz einer seit einem Jahr laufenden Sozialtherapie in der Justizvollzugsanstalt, in der er seit 2018 einsitzt, immer noch nicht kognitiv erfasst habe, dass es nach dem Wissenschaftsstand keine kindliche Sexualität gebe, so der Gutachter. „Er hat zeitweise eine verzerrte Wahrnehmung und glaubt, dass es den Mädchen gefällt. Er projiziert seine sexuellen Wünsche in sie hinein.“ Dennoch gehe vom Angeklagten keine Gefahr für fremde Kinder aus.

Die Staatsanwältin sprach sich dafür aus, das vorherige Urteil um eineinhalb auf 8,5 Jahre aufzustocken. Der Verteidiger plädierte auf eine Gesamtfreiheitsstrafe von insgesamt acht Jahren. „Zwei Drittel seiner Strafe hat er dann nach Ende der Sozialtherapie abgesessen, so dass er draußen in der Praxis probieren kann, ob sie was gebracht hat“, argumentierte er. Zudem seien die beiden Taten, wären sie früher bekannt gewesen, schon in den vorherigen Prozess einbezogen worden, was die Strafe von sieben Jahren wohl kaum erhöht hätte.

Das Gericht folgte dem Antrag, urteilte jeweils zwei Jahre und drei Monate für die beiden Taten, die sich dann auf ein Jahr mehr zur Vorstrafe summierten. „Das ist kein minderschwerer Fall und der Angeklagte ist voll schuldfähig“, begründete die Vorsitzende Richterin zu dem behandelten letzten Fall. „Es war strafrechtlich ein schwerer Missbrauch eines Kindes.“ Zudem habe der Angeklagte das Vertrauensverhältnis der Mutter ausgenutzt. Sein letztes Opfer habe Schmerzen erlitten und war zum Tatzeitpunkt noch sehr jung. Das Urteil ist bereits rechtskräftig.

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