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Abschusszahlen erhöht

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Auch ohne die Unterzeichnung einer Erklärung hat man im Kreisgebiet seit drei bis vier Jahren die Wildbestände unter Kontrolle. © dpa

Landkreis Gifhorn. Eine niedersächsische Erklärung zum „Wald-Wild-Konflikt“ hat Landwirtschaftsminister Gert Lindemann jetzt zusammen mit der Landesjägerschaft Niedersachsen,

dem Zentralverband der Jagdgenossenschaften und Eigenjagden in Niedersachsen, dem Waldbesitzerverband, den Niedersächsischen Landesforsten, den Bundesforsten, der Klosterkammer, der Arbeitsgemeinschaft der kommunalen Spitzenverbände und dem Verband der Niedersächsischen Grundbesitzer unterzeichnet.

Der Hintergrund: Die niedersächsische Landesregierung strebt flächendeckend angepasste Wildbestände an, hat dafür seit geraumer Zeit den unmittelbar betroffenen Personenkreis sensibilisiert und alle beteiligten Interessengruppen zu mehreren Diskussionsrunden in das Landwirtschaftsministerium eingeladen, um praxistaugliche Lösungswege zu finden.

„Das hat natürlich Auswirkungen auch auf den Landkreis Gifhorn. Wir haben gute Wildbestände – besonders im Gifhorner Nordkreis“, weiß Kreisjägermeister Jürgen-Hinrich Kohrs. In Absprache mit der Jagdbehörde habe man die Abschusszahlen in den vergangenen drei bis vier Jahren verdoppelt. Somit habe man den Zuwachs abgeschöpft.

Die Beteiligten sind sich einig, dass Wald und Wild untrennbar zusammengehören, der Wildbestand dabei aber im Einklang mit den land- und forstwirtschaftlichen Belangen stehen muss. Niedersachsen ist eins von fünf Bundesländern, in dem die ziehenden Schalenwildarten weiterhin wandern dürfen. Auch sollen durch Ruhezonen und Dauer-Äsungsflächen die Belange des Wildes besser berücksichtigt werden, indem sie deren Wohlbefinden verbessern und Verbiss und Schälschäden reduzieren. Bei Bedarf sollen die Jagdzeiten flexibler gehandhabt werden.

„Es gibt natürlich Konflikte zwischen den Waldgrundeigentümern und den Jägern als Pächtern“, weiß Kohrs. „Den Waldbesitzern ist der Wildbestand zu hoch, die Jäger sagen, dass sie schließlich Pacht bezahlen und der Bestand nicht zu hoch ist.“ Konflikte seien da, aber man habe reagiert, die Bestände würden nicht mehr wachsen. „Natürlich verursacht das Wild mit dem Verbiss Schäden an den Bäumen – insbesondere an Laubbäumen, die im Zuge des Waldumbaus in den Nadelwald eingebracht werden.

Wie das Niedersächsische Landwirtschaftsministerium erläutert, sollen die Grundeigentümer die Wildschäden im Wald erkennen und bewerten können. Teilweise seien auch unzureichende Informationen der Anlass der Missstände. Hier sollen Dienstbesprechungen und Fortbildungen Abhilfe schaffen. Die ehrenamtlichen und behördlichen Funktionsträger sollen für überhöhte Wildbestände und Wildschäden sensibilisiert werden. Die Satzungen der Hege-Gemeinschaften dürfen nicht durch strenge Vorgaben eine Abschusserfüllung behindern.

Alle Beteiligten, so heißt es in der Pressemitteilung, haben erkannt, dass die Jagdmethoden auf die waldbaulichen Ziele und steigenden Schalenwildbestände anzupassen sind. Dieses beinhaltet auch bei revierübergreifenden Drückjagden das Dulden von unbeabsichtigt überjagenden Hunden. Auch soll bei der nächsten Änderung des Landesjagdgesetzes die bisherige Fütterungsregelung hin zur Notzeitenregelung geändert werden. Der Rehwildabschussplan soll ein Mindestabschussplan mit 30 Prozent Überschreitungsmöglichkeit werden, ohne dass für die Überschreitung eine behördliche Genehmigung notwendig wird. Schließlich soll die Übererfüllung des Abschussplanes im Rahmen von Drückjagden zukünftig nicht mehr sanktioniert werden.

Eine Wald-Wild-Kommission soll im Frühjahr Brennpunkte aufsuchen und diese mit allen Beteiligten besprechen, um eine Sensibilisierung zu erreichen. In „Brennpunkten“ ist auch eine intensive Zusammenarbeit zwischen der Jagdbehörde und der Jägerschaft anzustreben.

Von Carola Peiser

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