Ingo Appelt spricht der Damenwelt in Gifhorn aus der Seele

Ein Abend für die Frauen

Ingo Appelt überzeugte beim Auftritt in der Gifhorner Stadthalle vor allem die Damenwelt. Fotos: Ohse

Gifhorn. Göttinnendämmerung in der Stadthalle. Es war ein Abend für die Frauen. Ingo Appelt erklärte Unterschiede und machte sich über die „dreckigen Minderleister“, sprich Männer, her und nicht nur über diese.

Quer durch die Bank beleidigte er Katholiken, andere Religionen, Rentner, das „notgeile Friedhofsgemüse“, Merkel und Westerwelle, lobte dagegen Xavier Naidoo, den „Godfather of Eierstockvibrations“ und machte sich über Berufskollegen mit voller Breitseite lustig, traf aber immer den Nerv des Publikums.

Auch die Männer amüsierten sich. Warum? Wer weiß das schon, es könnte auch daran liegen, dass Männer ja intellektuell nicht breit aufgestellt sind, wie Appelt bedeutete. Wenn es denn mal einen Schlenker auf die Frauen gab, der nicht nur positiv war, dann gab es Rechtfertigungen vom „Messias der Weiblichkeit“ am „Erweckungsabend für die Frauen“. „Frauen haben nie Schuld. Wenn sie Fehler machen, haben sie gute Gründe“, führte Appelt aus. Denn Schuld liege allein bei den Männern. Auch ganz eigennützige Gründe brachte Appelt für sein Umschmeicheln der Frauen vor. „Die Frauen bestimmen doch, wo es abends hingeht. Die Hütte hier ist voll“, stellte er zufrieden fest und begrüßte dennoch auch „die mitgebrachten Deppen“, den „Kollateralschaden des Abends“, der sich neben den „besten Menschen der Welt“ die Show antun durfte. „Verräter“-Vorwürfe ließ er nicht gelten angesichts männlicher Unfähigkeiten. „Sogar euren Hoeneß hat man weggesperrt“, entgegnete er. Drei Dinge kann der Mann, der nie über sein Niveau als Höhlenmensch hinausgekommen ist, sich allenfalls in einer Dauerbrunft befindet und sich zwischen Gina Wild und World of Warcraft bewegt. Das eine, dessen Verb mit „F“ anfängt, dazu töten und kochen. Da erstere nicht mehr gewünscht sind, sieht man derzeit viele Männer in Kochshows, wie Appelt erklärte. Der Mann macht nichts in der Beziehung, führte Appelt aus, und Zustimmung gab es da von den Frauen im Publikum, das sich auch großartig einbrachte und gewitzt konterte.

Als Appelt erzählte, dass 26 Prozent aller Frauen „mit mir in die Kiste wollen“, kam ein weiblicher Zwischenrufe mit dem Verweis, dass es wohl eine Umfrage des ADAC war. Lachen und Anerkennung vom Protagonisten auf der Bühne, der sich auch ans Klavier setzte. Dazu kokettierte Appelt immer auch mit seiner eigenen Vergangenheit, als er für das „F-Wort“, das auch an diesem Abend reichhaltig fiel, bekannt war. Aber er habe sich eben vom Saulus zum Paulus gewandelt. Die Frage „Reden die Männer genug mit euch“ brachte ebenfalls ein einmütiges Echo aus Frauenkehlen. „Nein“ war die Antwort. Männer, so Appelts Erklärung, können sich allenfalls sechs Monate in eine höhere Lebensform reindenken, anfängliches Reden in einer Beziehung sei ein „biologisches Veraschungsprinzip“. Aber für Frauen hat das Reden an sich schon einen Wert, unabhängig vom Inhalt.

Immer wieder kam er auch auf Gifhorn zurück, stellte fest, dass keine Türken im Saal sind („Das ist Gifhorn!“), befragte einzelne Gäste aus dem Publikum zu Rasier- und Masturbationsgewohnheiten, allerdings ohne Antwort, und ergriff Partei für Homosexuelle. Ein Abend eben für alle und vor allem für Frauen, denn am Ende gab es einen Striptease auf der Bühne. Bis auf die Lederunterhose zog sich Appelt aus, präsentierte gar unter dem Juchzen der Frauen sein nur mit einem Netz bekleidetes Hinterteil. Nur eins fehlte an diesem Abend. Auswege für Frauen aus dem Schicksal, offensichtlich in jeder Hinsicht die besseren zu sein, aber dennoch mit den „Minderleistern“ zurechtkommen zu müssen.

Von Burkhard Ohse

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare