Neuer Unterhaltungsaufwand: Wenn die Autobahn gebaut wird, wechseln einige Strecken den Besitzer

A 39 bringt auch Kosten für Kreis

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Kommt die A39 könnten einige Bundes- und Landesstraßen degradiert werden.

Landkreis Gifhorn. Den Landkreis Gifhorn erwarten voraussichtlich erhöhte Kosten für die Unterhaltung seines Straßennetzes, wenn die A 39 gebaut wird – denn dann kommen nach derzeitigem Stand rund 35 Kilometer Kreisstraßen hinzu.

Das liegt daran, dass bisherige Bundes- und Landesstraßen abgestuft werden, wenn einzelne Autobahnabschnitte fertig sind.

Die Niedersächsische Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr hat dafür schon vor einer Weile ein Abstufungskonzept vorgelegt. Das sieht nach Angaben von Uwe Peters, Abteilungsleiter für Kreisstraßenwesen, unter anderem vor, dass die B 248 zwischen Ehra und Tappenbeck zur Kreisstraße wird, wenn der A 39-Abschnitt 7 von Ehra bis Wolfsburg gebaut ist. Auch die L 291 von Barwedel bis Vorsfelde soll dann Kreisstraße werden, zudem sind kleinteilige Abstufungen im Raum Ehra vorgesehen.

Ist der Autobahn-Abschnitt 6 (Wittingen-Ehra) realisiert, dann soll die B 244 zwischen Rühen und Grafhorst ebenso zur Kreisstraße werden wie die L 288 von Ehra bis Ohrdorf.

Welche Mehrkosten die 35 Kreisstraßen-Kilometer im Etat des Landkreises verursachen würden, ist laut Peters noch nicht konkret berechnet worden. Der Kreis hätte dann die Baulast zu tragen, wäre also für die Unterhaltung der Strecken ebenso zuständig wie für etwaigen Radwegebau oder an den Trassen. Für die Straßensanierung stehen bis 2021 insgesamt 16 Millionen Euro im Investitionsplan des Landkreises.

Die Grünen, die den Bau der Autobahn ablehnen, sehen in den zu erwartenden Mehrkosten ein Argument gegen das Projekt: „Offenbar ist vor lauter A 39-Euphorie nicht über die Konsequenzen dieses unnötigen Autobahnbaus nachgedacht worden“, meint der Grünen-Fraktionschef im Kreistag, Klaus Rautenbach. Die Kreistagsmehrheit sieht das freilich anders, vor allem CDU, SPD und FDP haben stets betont, die A 39 als nötig zu erachten, auch die Unabhängigen stehen dahinter.

Erspart bleibt dem Landkreis die Übernahme der B 244 zwischen dem Großen Kain und Rühen – diese Strecke wird zur Landesstraße abgestuft. Nicht einverstanden ist man in der Kreisverwaltung mit der Absicht der Landesbehörde, die B 4 nördlich von Gifhorn zur Landesstraße zu „degradieren“ – für weite Bereiche bleibe die B 4 auch nach einem A 39-Bau „die attraktivste Verbindung in Richtung Norden“, so Peters’ Einschätzung.

Anfechten könnte der Kreis das Abstufungskonzept nur im Paket, im Extremfall gäbe es die Möglichkeit einer Klage. Die Wolfenbütteler Landesbehörde sei allerdings generell an einvernehmlichen Lösungen interessiert, meint Peters.

Zuletzt hat sich das Kreisstraßen-Portfolio übrigens sogar etwas gelichtet: Durch Abstufungen zu Gemeindestraßen ist der Landkreis nicht mehr für die K 6 in Schönewörde und die K 9 bei Dedelstorf verantwortlich – das wiederum spart Kosten.

Von Holger Boden

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