Imagekampagne soll dringend nötigen Nachwuchs bringen

Pflege in der Region: 3000 Vakanzen bis 2030?

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Torsten Küster zieht die Radmuttern an einem Rollstuhl fest: Ausschnitt aus dem Imagefilm der Kampagne „Ich pflege gern“.

Landkreis Gifhorn. Die Zahlen sind alarmierend: Schon jetzt fehlen rund 1500 Pflegekräfte im Landkreis Gifhorn, ob bei stationären Einrichtungen oder ambulanten Diensten.

Torsten Haf, Sozialplaner der Kreisverwaltung, geht davon aus, dass diese Zahl sich bis 2030 verdoppeln wird. Deshalb soll nun eine Imagekampagne mit Plakaten und einem Kinospot Nachwuchskräfte oder Quereinsteiger für die Pflege begeistern.

„Wir haben keinen Pflegenotstand, sondern einen Personalnotstand“ – so möchte Kreisrat Rolf Amelsberg die Situation der Branche in der Region charakterisiert sehen. Deshalb geht nun das Netzwerk Fachkräftesicherung mit der Imagekampagne in die Offensive. Hinter dem Netzwerk steht die Allianz für die Region, neben dem Landkreis gehören auch einige Pflegedienstleister dazu.

Denn von allein, so die Erkenntnis, wird die Situation sich nicht verbessern – zumal ja auch in fast allen anderen Branchen händeringend nach Nachwuchs gesucht wird. Derzeit kommen nach Hafs Angaben auf 100 offene Stellen bei Pflegebetrieben nur rund 25 ausgebildete Bewerber.

Die Situation ist bereits derart prekär, dass in einigen Heimen schon ein Belegungsstopp ausgerufen wurde. Und Anfragen von Angehörigen im ambulanten Bereich müssen „fast täglich abgelehnt werden“, weiß Haf. Und: Landesweit habe es sogar schon rund 100 Fälle gegeben, in denen bestehende Pflegeverträge wieder gekündigt wurden.

„Ich pflege gern“ heißt nun die Kampagne, die junge oder auch nicht mehr ganz so junge Menschen dafür begeistern soll, einen Pflegeberuf zu ergreifen. Dass das nicht unbedingt leicht wird, weiß auch Oliver Syring, Geschäftsführer der Allianz für die Region: „Wir haben das Paradoxon, dass in der Pflege hoch engagiertes Personal arbeitet, dass aber andererseits das Berufsbild wegen der Rahmenbedingungen nicht so angesehen ist.“

Von Holger Boden

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