Leiferde: NABU-Artenschutzzentrum nimmt erstmals über 500 Reptilien auf

2414 Tiere versorgt

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Stellen die Jahresbilanz 2017 des NABU-Artenschutzzentrums Leiferde vor (v.l.): Uwe-Peter Lestin vom Förderverein, Leiterin Bärbel Rogoschik und Mitarbeiter Joachim Neumann.

Leiferde. Mit 2414 Tieren aus 181 Arten wurden im vergangenen Jahr die zweitmeisten Tiere in einem Jahr seit Gründung des NABU-Artenschutzzentrums im Jahr 1980 versorgt.

Das geht aus der Jahresstatistik 2017 hervor, die die Leiterin Bärbel Rogoschik gestern zusammen mit ihrem Mitarbeiter Joachim Neumann und dem Vorsitzenden des Förderkreises Uwe-Peter Lestin vorstellte.

Zehn Waldkäuze, einen hält Joachim Neumann in seinen Händen, leben zurzeit in Leiferde.

„Hätten wir zu Anfang des Jahres nicht die Vogelgrippe gehabt, wäre der Höchststand von 2008 mit 2486 noch übertroffen worden“, so Rogoschik. Die größte Gruppe zu versorgender Tiere wurde, wie in jedem Jahr, von einheimischen Vögeln gebildet, die mit 1381 Tieren aus 91 Arten im Artenschutzzentrum Unterschlupf gefunden haben. Viele davon aus falsch verstandener Tierliebe, denn es werden immer wieder Jungvögel in die Aufnahmestelle gebracht, die man eigentlich in freier Natur hätte belassen müssen. Die Eltern befinden sich in der Regel in der Nähe ihrer Kinder. Wie im Vorjahr war der Turmfalke mit 65 Tieren an der Spitze der zu pflegenden Greifvögel, gefolgt von 37 Eulen. Darunter zehn Waldkäuze, dem Vogel des Jahres 2017. „Sie fallen meistens der Hungersnot zum Opfer, weil es in ihrem Umfeld zu wenig Mäuse gib“, so Rogoschik. Zu den Pfleglingen gehören auch 42 Weißstörche, die ihren Nahrungsbedarf nicht decken konnten. Aber auch Störche, die zu viele Gummibänder verschluckt hatten, wurden zur Behandlung abgegeben. „Die Störche sehen diese Gummibänder wohl als Würmer an und verschlucken sie in großen Massen“, so Rogoschik.

Erstmals in der Geschichte des Zentrums wurden 539 Reptilien aus 38 Arten versorgt, die teilweise aus Beschlagnahmungsaktionen (80) stammen. „Da exotische Papageien nicht mehr gehandelt werden dürfen, kaufen die Leute in den Zoohandlungen Reptilien aller Art und lassen sie elendig verhungern, wenn sie in Urlaub fahren“, so die Leiterin, die mehr Kontrollen durch die Behörden fordert. So müssen die Käufer ihre Tiere anmelden und nicht die Verkäufer. Auch bei den Säugetieren gab es einen Anstieg, 419 Tiere aus 24 Arten wurden zur Pflegestation gebracht. Darunter viele Igel, die mit der milden Witterung zu kämpfen hatten und den Sprung in den Winterschlaf verpasst hatten.

Ganz neu und überraschend sorgten 13 junge Wildkatzen für Zuwachs im Artenschutzzentrum. „Auch im Landkreis Gifhorn nimmt die Zahl der Wildkatzen zu, nur werden sie in den Wäldern kaum bemerkt. Hier freute sich Rogoschik über die gute Zusammenarbeit mit den Förstern, die alte Bauwagen im Wald aufgestellt haben, in denen sich die Wildkatzen mitunter auch aufhalten und Nahrung zu sich nehmen.

Mit 669 Tieren stammen die meisten Pflegetiere aus dem Landkreis Gifhorn. Insgesamt kamen die Tiere aus 45 Landkreisen, aus neun verschiedenen Bundesländern oder Stadt-Staaten. Den traditionell größten Block stellen 761 verwaiste Tiere, gefolgt von 235 Kollisionsopfern, 153 Tieren, denen Verletzungen zugefügt wurden, 153 Zivilisationsopfern, 143 entwichene oder ausgesetzte Tiere und 129 behördlich eingezogene Tiere.

Abschließend gab Fördervereinsvorsitzender Uwe-Peter Lestin bekannt, dass das Storchenfest am Sonntag, den 22. April stattfindet. Eine Einnahmequelle mit der man viele neue Projekte unterstützen kann. Mitglied im Förderkreis (zur Zeit 200 Mitglieder) kann jeder werden, der 26 Euro im Jahr über hat. Spenden werden auf dem IBAN-Konto DE 8626 9513 1100 7300 0739 bei der Sparkasse Gifhorn-Wolfsburg entgegengenommen.

Von Siegfried Glasow

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