Hilfsverein bietet weiter Nähkurse in Kunduz an / Sichere Heimarbeit für Mädchen und Frauen

Ziel: mehr Arbeit, weniger Kinder

Mit dem Nähprojekt bietet der Hilfsverein Katachel um Vorsitzende Sybille Schnehage jungen Frauen eine selbstständige Beschäftigung und ein Einkommen.
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Mit dem Nähprojekt bietet der Hilfsverein Katachel um Vorsitzende Sybille Schnehage jungen Frauen eine selbstständige Beschäftigung und ein Einkommen.
  • Carola Hussak
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Bergfeld/Kunduz. Bis Oktober konnte der Hilfsverein Katachel, drei Nähkurse anbieten. Bis zum Jahresende besuchen weitere 36 Mädchen den Unterricht. „Damit werden in diesem Jahr 144 Nähmaschinen den Schülerinnen den Start in die Selbstständigkeit erleichtern.

Bei der derzeitigen Sicherheitslage in Kunduz ist diese Art von Heimarbeitsplätzen ganz besonders wichtig“, weiß Vereinsvorsitzende Sybille Schnehage.

Eine Sache fällt der Bergfelderin immer wieder auf: „Ich kaufen schöne bunte Stoffe, aber die Mädchen suchen sich die hässlichsten in grau und blau aus. Früher war alles viel bunter in dem Land – eben wie im Orient. Aber durch den Druck der Gesellschaft hat sich vieles verändert.“ Die Mädchen müssten eine Burka oder eine Nikap tragen, dazu schwarze Handschuhe und eine Sonnenbrille, damit die Leute nicht über sie reden würden. „Die Wertevorstellung in diesem Land ist eine ganz andere. Die Gesellschaft ist zu unterschiedlich. Die Unterschiede zwischen Arm und Reich waren früher nicht so groß“, weiß Schnehage. Nun würde es Superreich oder Superarm geben. Die Regierungsbeamten würden sich massiv bereichern, daher sei die Hilfe für die Armen noch wichtiger geworden. Daher sind auch die Schulen, die der Verein baut, so wichtig (das IK berichtete exklusiv). Gerade die letzte Schule in Iman Saheb würde Kindern in der von Taliban besetzten Region helfen. Schnehage: „Die Kinder kommen von weiter her, um am Unterricht teilzunehmen.“

Dadurch, erklärt die Vereinsvorsitzende, dass die Menschen, insbesondere die Landbevölkerung, keine Arbeit hat, wird die Not immer größer. „Von daher ist es auch kein Wunder, dass die Menschen versuchen aus dem Land zu flüchten – sie haben im eigenen Land keine Chance. Daher ist es wichtig, vor Ort Perspektiven zu bieten“, weiß Schnehage. Außerdem würde es viel weniger Kinder geben. „Die Frauen hätten Beschäftigung und würden keinen Gedanken ans Kinderkriegen verlieren“, erklärt die Vereinsvorsitzende im Gespräch mit dem IK. Über Verhütung brauche man gar nicht sprechen, die sei in Afghanistan keine Verständlichkeit. Die Scham, in eine Apotheke zu gehen und nach Verhütungsmitteln zu fragen, sei viel zu groß – sowohl bei Männern als auch bei Frauen. Einzige Möglichkeit wäre laut Schnehage genau wie in Afrika, wenn Frauen Aufklärungsarbeit leisten und im Zuge dessen, Kondome verteilen.

Hilfe gab es auch für Witwen. An sie wurden Geld und Mehl verteilt, denn der Winter steht vor Tür. Eine hochwertige Ernährung sichert die Gesundheit in den kommenden Monaten. „Die Frauen haben schon seit Wochen darauf gewartet, doch Banküberweisungsschwierigkeiten zögerten die Hilfe hinaus“, sagt Schnehage. Es sei sehr schwer zur Zeit in Kunduz, das Telefonnetz funktioniere nicht richtig, Gebiete im Stadtzentrum seien von ausländischen Flugzeugen bombardiert und alle würden hoffen, dass endlich wieder mehr Sicherheit einkehre. „Doch dies kann nicht mit Waffen geschehen, nur mit Hilfe, die auch im ländlichen Raum den notleidenden Frauen und Männern zugutekommt“, ist die Bergfelderin überzeugt.

Von Carola Hussak

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