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Akteure rund um Brome suchen Zukunft für das Grundwasser

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Von: Hilke Bentes

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Ortstermin in Tülau
Der niedersächsische Umweltminister Olaf Lies (3.v.l.) machte am Montag Halt in Tülau. Er erfuhr über das Pilotprojekt, bei dem sich die LSW als Wasserversorger mit den unterschiedlichsten Verbänden und Experten zusammen getan hat. Das Wassermanagement soll im Bereich des Trinkwassergewinnungsgebiets Rühen weiterentwickelt werden. © Hilke Bentes

Tülau – Wie lassen sich fallende Niederschlagsmengen in einem Gebiet halten? Und zwar in Zeiten, die von anhaltenden Dürreperioden und kurzzeitigen Starkregenereignissen geprägt sind? Über diese Fragen haben sich unterschiedlichste Akteure in Teilen der Samtgemeinde Brome ausgetauscht – und sich zusammengetan.

Und daraus soll sich nun ein Pilotprojekt mit nachhaltigem Charakter entwickeln. Dessen Struktur sei einmalig, so der Tenor. Das große Schlagwort lautet Wassermanagement im Trinkwassergewinnungsgebiet Rühen und in der Entwicklungszone des Biosphärenreservats Drömling. Experten der LSW, des Dachverbandes der Grundwassernutzer Croya und Parsau, mehrere Trinkwasserschutzkooperationen und Beregnungsverbände sowie Landwirte und der Aller-Ohre-Verband wollen die Region auf die Zukunft vorbereiten. Es geht um Maßnahmen, die zusammen entwickelt werden sollen, um sich den Folgen des Klimawandels zu stellen. Das Projekt befindet sich in der Startphase, soll aber im Lauf der kommenden Jahre Lösungen auf die Grundwasserknappheit bieten.

Der niedersächsische Umweltminister Olaf Lies (SPD) hörte sich am Montag bei einem Ortstermin in Tülau viele Ideen rund um das Projekt an, dessen Antrag auf Förderung schon bald beim Land eingereicht werden soll. Auch Bürgervertreter waren auf Einladung der SPD-Landtagskandidatin Kirsikka Lansmann vor Ort, um über das Projekt und dessen Entwicklung zu sprechen. Weitere Projekt-Mitwirkende sind der Landkreis, die Gemeinden Tülau, Parsau, Bergfeld und Brome, das Biosphärenreservat und zwei Ingenieurbüros als Experten für das Grundwasser.

„Dass ein Lösungsweg nur gemeinsam mit allen Betroffenen gefunden werden kann, hat sich in den vergangenen zwei Jahren herauskristallisiert“, sagte Dieter Rode, LSW-Bereichsleiter Netzbetrieb Wärme, Wasser und Abwasser. Rode stellte dem Umweltminister die Grundzüge der Region vor – die Zu- und Abläufe, die vorhandenen Gewässer und die Voraussetzungen für die Landwirtschaft. „Wir müssen die Grundwasserneubildungsrate erhalten – und verbessern“, so Rode, schließlich hänge davon die Zukunft ab.

Maßnahmen sind kleinteilig

Anders als bei dem geplanten Projekt in Hankensbüttel, bei dem ein großes Polderbecken Wasser zurückhalten soll, will man in der Gegend um das Trinkwassergewinnungsgebiet Rühen kleinteiliger denken. Erste Schritte, die möglicherweise schon im kommenden Jahr umgesetzt werden könnten, sehen vor, Staumaßnahmen für trockenfallende Gräben zu entwickeln, die sich regulieren lassen. Und dann geht es darum, dass gemeinsam Ideen zur Regenrückhaltegewinnung entwickelt werden. Die finanziellen Dimensionen für das Projekt könnten in siebenstelliger Höhe liegen.

Die zuständigen Projektträger und Mitwirkende hoffen, dass die Ideen auch beim Land Interesse wecken. Es gehe, so der Tenor, um einen Modellcharakter, auch wenn sie sich alle einig waren, dass jedes Gebiet ganz individuell betrachtet werden muss. Umweltminister Lies fand in der Diskussion viele lobende Worte. „Der Ansatz ist sehr spannend.“ Die Folgen des Klimawandels würden sich in unterschiedlichsten Formen zeigen – und von einem solchen Projektzusammenschluss, der die Landwirtschaft mit den Wasserversorger an einen Tisch bringt, könne man nur profitieren. Besonders der Ansatz, „mit der Natur zusammen eine Lösung zu finden“, sei laut Lies der beste Weg.

Bei dem Ortstermin entwickelte sich in der Expertenrunde schnell eine lebhafte Diskussion. Dass die Finanzierung solcher Projekte nicht alleine vor Ort erfolgen könne, stellte Lies heraus. Er sah dabei auch das Land in der Pflicht. Der Umweltminister machte auch klar, dass es nicht allein darum gehe, das Grundwasserproblem isoliert zu betrachten. Da stimmte ihm auch Markus Hanssler von dem Geries Ingenieurbüro mit Zweigstelle in Parsau zu. „Auch bei der Feldberegnung geht es darum, sie noch punktgenauer zu steuern.“ Nur Hand in Hand könne „die „riesige Aufgabe“ der Grundwasserversorgung im Einklang mit der Landwirtschaft gelingen.

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