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Wohlgenährt zurück zur Familie

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Udo und Karin Riemann freuen sich, dass ihr Stummel wieder da ist. Der tat nach über einem Jahr so, als wäre nichts gewesen. F.: Weber
Udo und Karin Riemann freuen sich, dass ihr Stummel wieder da ist. Der tat nach über einem Jahr so, als wäre nichts gewesen. F.: Weber © Freier Mitarbeiter

Kunrau/Klötze. Fast auf den Tag genau war Kater Stummel ein Jahr und vier Monate verschwunden. Dann kam er – dank glücklicher Umstände – wieder zurück nach Hause, zu Karin und Udo Riemann in Kunrau.

Vor etwa acht Jahren lief dem Ehepaar aus Kunrau eine grausig zugerichtete kleine Katze zu. „Wir vermuten, dass der kleine Kater in eine Heckenschere oder in eine andere Maschine geraten ist und dann hier in Kunrau schwer verletzt ausgesetzt wurde“, erinnert sich Karin Riemann. Die Vermutung, dass der Kater in eine Maschine geraten war, bestätigte sich später. „Bevor er zu uns kam, war er an mehreren Häusern, wurde dort aber weggescheucht“, erinnern sich Riemanns. „Er war so schwer verletzt, dass wir nicht mal sehen konnten, ob er ein Mädchen oder Junge war, sein Schwanz war ab und überall am Hinterteil blutete er. Wir gaben dem Tier erst mal etwas zu fressen und erkundigten uns im Tierheim, was wir mit ihm machen sollen. Wir hatten ja schon einen kastrierten Kater und wussten nicht, ob sich beide verstehen würden“, erzählt das Ehepaar. „Im Tierheim sagte man uns: Wer eine Katze füttert, dem gehört sie auch. So war es nun unser Kater. Wir fuhren mit ihm zum Tierarzt, wo er wieder zusammengeflickt wurde“. So wurden zum Beispiel die Wunden versorgt und genäht, ein Stück Haut samt Fell vom Körper wurde an die Stelle des Schwanzes verpflanzt. Davon hat der kleine Kater auch seinen Namen: Stummel.

Von nun an ging es ihm gut, er vertrug sich mit dem anderen Kater und als dieser starb, war Stummel Chefkater im Hause Riemann. Jeden Morgen ging er mit zum Briefkasten, um die Zeitung zu holen, im Anschluss gab es für Stummel Frühstück.

Bis zum 7. April 2016. Der Sohn von Karin und Udo Riemann, Mirko, hatte anlässlich seines Geburtstags zum Essen ins Klötzer Kurhaus eingeladen. Dort auf dem Parkplatz angekommen, vernehmen Riemanns ein komisches, wimmerndes Geräusch. Beim genaueren Hinhören erkennen sie: Die Geräusche kommen aus dem Motorraum des Autos. Udo Riemann öffnet die Motorhaube und wie ein geölter Blitz springt der verstörte Kater aus seinem warmen Versteck.

Er verschwand in einem Gebüsch und war nicht mehr zu sehen. Alles Rufen und Suchen nütze nichts, der Kater war weg.

Am nächsten Tag kamen Riemanns wieder nach Klötze, um nach dem Kater an der Stelle zu suchen, wo er verschwand. Auch im angrenzenden Tiergehege suchten sie nach Stummel. Doch Stummel blieb verschwunden.

Eines Tages – das Verschwinden von Stummel ist mittlerweile etwa eineinviertel Jahr her – meldet sich die Nichte von Riemanns, Cindy Jankowski aus Klötze. Sie sagt, dass sie in der Kleingartenanlage an der Wasserfahrt in Klötze eine schwarze Katze ohne Schwanz gesehen habe. Das könne nur Stummel sein, ist die Nichte überzeugt. Doch Riemanns halten das eher für unwahrscheinlich.

Einige Wochen später meldet sich Nichte Cindy wieder bei den Kunrauern. Sie sagt: „Ich habe eine Überraschung für Euch, ich komme gleich mal vorbei.“ Am Abend steht dann Cindy vor der Tür und sagt: „Macht mal ganz vorsichtig den Kofferraum auf“.

Karin und Udo Riemann öffnen den Kofferraum einen Spalt und erblicken Stummel, der in eine Decke gehüllt auf dem Boden liegt. Mit einem Satz springt der Kater aus dem Kofferraum und ist wieder verschwunden.

Erst einen Tag später, zur gewohnten Frühstückszeit, sitzt Stummel auf seinem Platz neben der Kellertür. Als Udo Riemann sie öffnet, um die Zeitung zu holen, erblickt er Stummel. Als sei nichts geschehen und nicht mehr als ein Jahr vergangen. Nur anhänglicher ist er geworden: Von nun an weicht er „seiner Familie“ nicht mehr von der Seite.

Wie Nichte Cindy den Riemanns später erzählte, hatte sie, nachdem sie Stummel das erste Mal an der Wasserfahrt gesehen hatte, die Augen offen gehalten und mitbekommen, dass sich eine Frau um Stummel kümmert. Somit fand der Kater nach fast genau einem Jahr und vier Monaten wohlgenährt den Weg zurück zu seiner Familie in Kunrau.

Von Wolfram Weber

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