Ehra-Lessien: Dr. Trabulsi hört Ende des Jahres auf / Kein Nachfolger für einzigen Mediziner in Sicht

Aus Wochen wurden Jahre

Dr. Haysam Trabulsi wird ab Ende des Jahres nicht mehr als Allgemeinmediziner in Ehra praktizieren. Mit seinen 79 Jahren macht das sein Körper nicht mehr mit.
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Dr. Haysam Trabulsi wird ab Ende des Jahres nicht mehr als Allgemeinmediziner in Ehra praktizieren. Mit seinen 79 Jahren macht das sein Körper nicht mehr mit.

Ehra-Lessien. „Eigentlich wollte ich nur ein paar Wochen bleiben und helfen, aber daraus sind drei Jahre geworden“, blickt Dr. Haysam Trabulsi zurück. Der Allgemeinmediziner möchte Ende des Jahres mit dem Praktizieren aufhören.

„Mit 79 Jahren macht das mein Körper nicht mehr mit, so leid es mir tut“, bedauert Trabulsi.

Nachdem die Praxis für Monate geschlossen hatte, wurde Trabulsi 2014 von einem befreundeten Kollegen angesprochen, ihm ein paar Wochen in Ehra zu helfen. „Er wollte die Praxis wieder eröffnen, aber als Gynäkologe stellte sich die Situation nicht so einfach dar.“ Der befreundete Kollege ging und Trabulsi ist geblieben. „Ich konnte die Patienten doch nicht einfach im Stich lassen“, erinnert sich Mediziner. Nach und nach hat er die Praxis wieder aufgebaut. Nun wird es für den 79-jährigen Wolfsburger Zeit, an sich zu denken. „Ich werde erst mal in meine zweite Heimat nach Spanien gehen und dort an der Ostküste meinen Hobbys nachgehen – unter anderem Schwimmen“, blickt Trabulsi freudig in die nahe Zukunft.

Die Zukunft von Ehra-Lessien steht noch etwas in den Sternen. Der 79-Jährige hofft, dass die Praxis nicht geschlossen wird. Er appelliert an die Gemeinde, Druck bei der Ärztekammer zu machen und Gespräche mit der Kassenärztlichen Vereinigung zu führen. Auch sollte die Gemeinde eine Annonce im Ärzteblatt aufgeben. „Da sollte unbedingt mit rein, dass man dem neuen Kollegen bei der Wohnungssuche behilflich ist und dass die Gemeinde vorhat, eine neue Praxis zu bauen, in deren Planungen der neue Kollege einbezogen wird“, rät Trabulsi, der seinem Nachfolger auch gerne unter die Arme greift.

Immer weniger junge Ärzte wollen auf dem Land leben. Und das Leben eines Landarztes kann laut Trabulsi schwer sein. „Ob man Tag und Nacht erreichbar sein will, muss aber jeder für sich entscheiden. Auf jeden Fall hat man nicht jedes Wochenende Dienst, das ist in einem Dienstplan mit anderen Ärzten geregelt“, weiß er. Ein junger Kollege könne sich freuen, die Praxis zu übernehmen, denn sie sei ausbaufähig. Dass sich der Landkreis Gifhorn stark macht, junge Ärzte in den Kreis zu holen, kann Trabulsi nur unterstützen: „Man muss alles versuchen.“

Sollten alle Stricke reißen, hält der scheidende Arzt noch ein Hintertürchen offen: „Ich habe mich auch schon bei der Kassenärztlichen Vereinigung gemeldet und mich im Freundeskreis umgehört. Eventuell hätte ich einen Kollegen, der vorübergehend einspringen würde – aber wirklich nur vorübergehend und nur für zwei bis drei Tage in der Woche.“ Aber das wäre ja zumindest eine Zwischenlösung.

Dass die Gemeinde Ehra-Lessien dran bleibt, Gespräche mit der Kassenärztlichen Vereinigung zu führen, bestätigt Bürgermeister Jörg Böse auf IK-Anfrage. „Wir müssen einfach abklären, welche Möglichkeiten es gibt.“ Mit Blick auf das geplante Mehrgenerationenhaus, in dem auch eine Arztpraxis integriert werden soll, sagt Böse: „Der Rat muss sich Gedanken machen, was ist, wenn wir nicht in das Projekt Dorfregion kommen. Wie können wir uns anders aufstellen?“ Böse weiß, dass es sich um kein einfaches Thema handelt – auch nicht auf der Kreisebene gesehen.

Von Carola Hussak

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