Lessien: Erste Flüchtlinge ziehen Mitte Februar ein / Ausschreibung für Betreiber läuft

„Wir brauchen das Camp“

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Mitte Februar sollen die ersten Flüchtlinge ins Camp Lessien einziehen. Ab dem 1. Mai übernimmt eine Betreiberfirma die Aufgaben im Camp – bis dahin setzt der Kreis auf eine „interne Lösung“.

Ehra-Lessien. Generell ist Wohnraum knapp. Die Situation wird im Landkreis Gifhorn nicht besser, schon gar nicht mit Blick auf die Flüchtlinge, die der Kreis dezentral unterbringen möchte.

Daher werden ab Mitte Februar Flüchtlinge und Asylbewerber im Camp Lessien untergebracht. Ende 2016 befanden sich 1689 Flüchtlinge im Kreis Gifhorn. „Wir haben derzeit zwei Drittel in dezentral angemieteten Wohnungen untergebracht. Aber der Wohnungsmarkt ist nach wie vor angespannt“, weiß Landrat Andreas Ebel. Hinzu kommt die neue Aufnahmeverpflichtung in diesem Jahr von insgesamt 1170 Personen (das IK berichtete).

Problematisch gestaltet sich die Situation der anerkannten Flüchtlinge, die keine Bleibe finden und daher in den vom Kreis gestellten Wohnungen bleiben. Diese sind allerdings für Asylbewerber vorgesehen. „Wir brauchen daher das Camp Lessien“, sagt Michael Funke, Fachbereichsleiter Ordnung, Verkehr und Veterinärwesen. Sechs Gebäude werden für Wohnzwecke angemietet, ein weiteres Gebäude soll für die Lagerung von Mobiliar und die Einrichtung einer Kleiderkammer dienen. Die Unterkunft soll voraussichtlich bis zum 30. September 2018 genutzt werden.

Derzeit bereitet der Landkreis eine europaweite Ausschreibung für eine Betreiberfirma vor, die zum 1. Mai ihre Aufgaben übernehmen soll. Bis dahin, so Ebel und Funke, werde eine „interne Lösung“ gefunden. Die Betreiberfirma soll die soziale Betreuung der Personen, den Betrieb der Unterkunft und einen Shuttle-Service zur nächsten Bushaltestelle übernehmen. Zur Verwaltung der Wohnanlage und zur Betreuung der Flüchtlinge werden ein Heimleiter, ein Sozialarbeiter und ein Hausmeister vor Ort sein. Auf die Frage, ob das nicht zu wenig Personal sei, sagte Funke: „Nein. Zusätzlich sind tagsüber zwei und nachts vier Security-Kräfte vor Ort.“

Welche Personen nach Lessien kommen werden, vermochten weder Funke noch sein Kolleg Dirk Spieß zu sagen. Fest stünde, dass die Anzahl der Personen aus sicheren Herkunftsländer auf zwölf Prozent gesunken ist. „Wir können nicht sagen, ob Familien oder alleinstehende Frauen und Männer ins Camp ziehen werden. Auch wenn überwiegend Männer allein reisen, gibt es mittlerweile auch alleinreisende Frauen“, informiert Spieß.

Im vergangenen Jahr wurden 44 Asylbewerber abgeschoben, 508 sind freiwillig ausgereist und 314 wurden als Flüchtlinge anerkannt. Die meisten Flüchtlinge sind in der Stadt Gifhorn (507) untergebracht, gefolgt von Wittingen (237) und Meinersen (172). Das Schlusslicht bildet das Boldecker Land (20).

Von Carola Hussak

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