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Windkraftanlagen fahren durch Ehra-Lessien

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Von: Burkhard Ohse

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Schwerlasttransport von Windkraftrad-Teilen durch Ehra-Lessien.
Rund 60 Meter lang waren die Turmteile, die in der Nacht zum Donnerstag per Schwerlasttransport durch Ehra-Lessien fuhren. © Freier Mitarbeiter

Ehra-Lessien – Fast unbemerkt von der Öffentlichkeit ging in der Nacht auf Donnerstag ein weiterer Schwerlasttransport für den Windpark Ehra-Lessien über die Bühne. Lediglich die gelben, blinkenden Signalleuchten der Begleitfahrzeuge kündigten an, dass etwas passiert. Kurz vor 1 Uhr nachts, als die Straßen in Ehra menschenleer und wenig Verkehr auf der L 289 herrschte, transportierte die Firma Balmer, Unternehmen für Schwertransporte, mit drei Tiefladern drei große Turmteile für eine Windkraftanlage zum endgültigen Standort.

Ein Überholen des Schwertransportes mit den tonnenschweren voluminösen Turmteilen war nicht nur verboten, wie das Schild auf dem letzten Begleitfahrzeug anzeigte, sondern auch unmöglich. Die vielachsigen, rund 55 Meter langen Tieflader nahmen mehr als eine Straßenseite ein, sodass an einigen Orten die Fahrbahn präpariert werden musste. So fuhren Begleitfahrzeuge voraus und montierten auf der Querungshilfe in Ehra die Verkehrsschilder ab. Zwei weitere Begleitfahrzeuge und ein Mitglied der Hilfspolizei sicherten derweil die Kreuzung, um eventuell querenden Verkehr aufzuhalten. Deren Fahrer fuhren bedächtig und umsichtig durch den Ort, an den Häusern vorbei weiter in Richtung Voitze.

Danach wurden die abmontierten Verkehrsschilder wieder aufgestellt. Die Durchfahrt durch den Ort dauerte nur wenige Minuten. Schon vorige Woche waren bei einem ersten Transport Rotoren auf derselben Strecke, die von der A 391, dann die B 4 und die B 188 kommend über Westerbeck, Grußendorf, Lessien, und Ehra nach Voitze gefahren worden. Dabei war die Fahrt zum Teil noch anspruchsvoller, als die 75 Meter langen Rotorblätter transportiert werden mussten. Insgesamt war ein Tieflader da 81 Meter lang. Hierfür montierten die Begleiter nicht nur zeitweise Verkehrsschilder und Leitpfähle, sondern in der Ortschaft Westerbeck auch Zäune ab. Und trotzdem ging es dann zu Teil nur im Schritttempo und zentimeterweise weiter, da Buschwerk und Baumkronen im Weg standen und die Fahrzeuge die S-Kurve im Ort passieren mussten. Stahlplatten verstärkten die Gehwege, auf die die Tieflader ausweichen mussten.

Weitere Schwertransporte werden in den nächsten sechs Wochen folgen, bis alle Teile für den Windpark angeliefert sind. In Ehra-Lessien entstehen sechs Windkraftanlagen. In jeweils einem Transport kommen drei Rotorblätter, das Maschinenhaus und die Turmteile. Der Aufbau der Türme auf die Fundamente bei Ehra-Lessien soll dann in der nächsten Zeit beginnen. Von den sechs Türmen haben sich die Bürger gemeinsam mit den Grundeigentümern eins von sechs Windrädern des Bremer Projektbetreibers WPD gesichert (das IK berichtete).

Dazu wurde die Genossenschaft Bürgerenergie Ehra-Lessien gegründet (das IK berichtete). Am Ende sollen die Anlagen 25 Megawatt Nennleistung produzieren. Die Fundamente sind bereits gegossen, die Baustraßen angelegt und die Stromkabel zu den Netzeinspeisepunkten verlegt. Die Nabenhöhe ist bei 166 Metern, die Rotorblätter reichen bis zu 241 Meter in die Höhe.

Die Anlagen sollen zunächst für 20 Jahre laufen. Die Kosten für eine Anlage liegen bei rund drei Millionen Euro, das Genossenschaftskapital bei 300 000 Euro, die auf 150 Anteile verteilt sind. Die Differenz wird durch Kredite finanziert. Die Anlage muss also außer einer Rendite auch noch Zinsen und Tilgung abwerfen.

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