„Wer ist Freund, wer ist Feind?“

Die Bergfelderin vor der imposanten Kulisse der schneebedeckten Berge in Afghanistan.

Bergfeld. Hinter ihr liegen erneut anstrengende drei Wochen. Sybille Schnehage aus Bergfeld, Vorsitzende des Vereins für Humanitäre Hilfe Katachel, berichtete von ihrer letzten Reise an den Hindukusch.

„Weil ich erst noch einiges in den zuständigen Ministerien zu klären hatte, flog ich aus Deutschland zuerst in die Hauptstadt Kabul, wo es mir mit Hilfe des Friedensministeriums gelungen ist, viele der Probleme, die sich seit den unschönen Vorfällen vor zwei Jahren in Katachel angehäuft hatten, zu klären. Anschließend ging es mit dem Auto weiter über den Salang-Pass und durch die besonders für Ausländer gefährliche Provinz Baghlan nach Kunduz. Durch Vermittlung des Parlamentspräsidenten Hadji Osmansai und des Ältestenrates in Katachel, wurden Verhandlungen zu einem glücklichen Ende geführt, sodass die massiven Bedrohungen unseres ehemaligen Mitarbeiters Dadgul gegen unseren Verein und insbesondere gegen meine Person, einzustellen sind. Besonders die Menschen im Dorf Katachel freuten sich sehr darüber, dass der Schwerpunkt unserer Hilfsaktionen nun wieder in ihrem Dorf liegen wird“, erklärte Schnehage.

Sybille Schnehage berichtete weiter, dass die medizinische Versorgung nach wie vor sehr schlecht ist. Vor allem, seit es – wie noch vor Jahren – nun keine Möglichkeiten der Hilfe durch deutsche Ärzte gibt. „Deshalb hatte ich unter anderem auch einen schweren Koffer mit Medikamenten aus Deutschland mitgebracht“, sagte Schnehage. An den Schulen verteilte die Vereinsvorsitzende wieder Unterrichtmaterial und Schreibwaren, die Fußball-Mannschaft der Katachelschule erhielt neue Trikots und Bälle.

„Zur Verteilung der Hilfsgüter, die wir mit Spendengeldern aus Deutschland gekauft hatten, kamen mehr als 400 Witwen und sonstige Hilfsbedürftige, die uns kannten, aber es kamen auch viele Menschen zum ersten Mal.“ Dabei hat Schnehage besonders das Schicksal des 19-jährigen Assadullah berührt, der beide Arme verloren hatte und nun vollständig auf fremde Hilfe angewiesen ist.

Eines ist Sybille Schnehage während ihres Aufenthalts ganz besonders ins Auge gestochen: Selbst die Bundeswehr, die ja in der Provinz Kunduz stationiert worden ist, um humanitäre Hilfe zu leisten, traut sich inzwischen nur noch in gepanzerten Fahrzeugen von ihrem Gelände. Und noch etwas ist neu, seit ihrem letzten Aufenthalt im vergangenen Jahr: Über dem Gelände steigt bei klarem Himmel ein Zeppelin in die Luft, der mit weitreichenden und hochauflösenden Kameras bestückt ist und die Gegend observiert.

„Dadurch sollen neuralgische Punkte besser überwacht werden und bei Bedarf notwendige Sicherungsmaßnahmen frühzeitig eingeleitet werden können“, sagt sie.

Dass sich in absehbarer Zeit an den Lebensumständen der afghanischen Bevölkerung etwas zum Guten wenden könnte, glaubt Schnehage hingegen nicht. „Es ist einfach nicht genug Arbeit da. Es fehlen Produktionsstätten. So könnte zum Beispiel eine Tabak-Fabrik mit den dazugehörigen Lieferanten, eine ganze Reihe neuer Arbeitsplätze schaffen.

Stattdessen, so Schnehages Kritik, „werden immer mehr Polizisten und Soldaten ausgebildet und bewaffnet, bis sich letztendlich nicht mehr zwischen Freund und Feind unterscheiden lässt“.

Von Detlev E. Deipenau

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