Verzwickte Situation

Altendorf: Anwohner wollen Ruhe, Landwirt will Existenz

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Landwirt Wilhelm Bromann-Behrens muss die Gemeindestraße nutzen, da seine Hofeinfahrt (hinten im gr.Bild) für die großen Fahrzeuge einfach zu klein ist.
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Altendorf. Der jüngste Bericht im IK über die Gemeindestraße „An der Dränke“ in Altendorf schlägt höhere Wellen als gedacht.

Denn wie sich nach einem Gespräch mit Familie Blanke herausstellte, würden sich die Anlieger bereits seit zwei Jahren darüber beschweren, dass der Lkw-Verkehr des landwirtschaftlichen Betriebs von Wilhelm Bromann-Behrens deutlich zugenommen habe.

Die Situation ist verzwickt. Bromann-Behrens hat 2014 seinen Betrieb durch eine Spedition vergrößert. Einen Holzhandel – wie irrtümlich durch Anwohner berichtet – gibt es dort nicht. Zudem fahren Lkw den Betrieb an, um Ware zu bringen oder abzuholen. Dies erfolgt über die Gemeindestraße. „Die Fahrzeuge sind so groß, dass sie nicht mehr durch die Hofeinfahrt passen“, erklärt Bromann-Behrens. Da das Gebäude unter Denkmalschutz steht, darf das Hoftor auch nicht verändert werden. Die Gemeindestraße endet in einem Feldweg. Damit die Lkw den Hof ansteuern können, hat Bromann-Behrens einen Teil des Weges zu seinem Hof mit Betonplatten befestigt. An dieser Stelle kritisieren die Anwohner, dass dies erst im Nachhinein von der Gemeinde bewilligt wurde.

„Der Betrieb wird nun fast täglich von etlichen Lkw angefahren“, beklagt Gerd Blanke im Namen der Anwohner das höhere Verkehrsaufkommen. Hinzu käme, dass die Straße seiner Meinung nach nicht für die großen Fahrzeuge ausgelegt sei. Wie Blanke im IK-Gespräch erklärt, sei der Gemeindeweg in den 60er-Jahren gebaut worden – eine Teerdecke aufgebracht auf eine Sandschicht. Die Belastung habe bis dahin Autos und Traktoren Stand gehalten. „Wenn die Straße kaputt ist, werden wir als Anlieger zur Kasse gebeten und nicht der Landwirt, der nicht als Anlieger gilt, aber die Straße nutzt“, so Blanke. 75 Prozent müssten laut Gemeindesatzung die Anlieger tragen, 25 Prozent die Gemeinde. Die Anwohner wünschen sich eine Reduzierung des Lkw-Verkehrs und dass die Gemeinde die Kosten für die Instandsetzung der Straße übernimmt.

Keine Bedenken haben der Landkreis Gifhorn und die Landesstraßenbaubehörde Wolfenbüttel als Entscheidungsträger, die sich jüngst gemeinsam mit dem Flecken und der Polizei bei einer Verkehrsschau die Straße An der Dränke angeschaut haben. „Also dürfen wir die Straße nutzen, das ist Fakt“, äußerte Bromann-Behrens gegenüber dem IK. Dem Wunsch der Anlieger, das Verkehrsaufkommen zu reduzieren, kann der Landwirt nicht nachkommen. „Ich habe einen Betrieb, von dem meine Familie und 14 Angestellte leben.“ Selbst wenn der Hof von vorne durch das Hoftor angesteuert werden könnte, würden sich andere Bewohner gestört fühlen. An der ganzen Sache darf man nicht vergessen, dass es den Hof vor den Anwohnern der Gemeindestraße gab“, so Bromann-Behrens. Aus menschlicher Sicht könne er die Argumente der Anwohner verstehen, umsetzbar seien diese aber nicht. Dann könne er den Hof auch gleich schließen, sagte er, aber dann würde ein anderer Betrieb seinen Hof übernehmen und das Spiel wäre das gleiche.

Die Vorwürfe seitens der Anwohner, dass sich die Gemeinde in den vergangenen zwei Jahren nicht zu Thema geäußert habe, kann Bürgermeister Gerhard Borchert nicht verstehen, denn der damalige Verwaltungsmitarbeiter habe eine Firma beauftragt, die Straße zu überprüfen. Dass die Gemeinde die Befestigung des Feldweges durch Bromann-Behrens erst im Nachhinein genehmigt hatte, bestätigte Borchers. Landwirte würden seit jeher Feldwege pflegen, und würden sie zugunsten der Kommune tun. Ein Problem sieht Borchert daher nicht. Für die Anwohner der Gemeindestraße dürfte die Situation weiter unbefriedigend sein – denn schlussendlich wird sich nichts ändern. Kreis und Landesstraßenbaubehörde haben als zuständige Institution ihre Entscheidungen gefällt.

Von Carola Hussak

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