Sperrvermerk im Reisepass wird entfernt

Bergfelder Hilfsvereins-Vorsitzende Sybille Schnehage darf wieder nach Afghanistan einreisen

Hilfsvereinsvorsitzende Sybille Schnehage in Kunduz.
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Sybille Schnehage aus Bergfeld ist Vorsitzende des Hilfsvereins Katachel und engagiert sich seit Jahrzehnten in Afghanistan. Aufgrund von erklärter Entführungsgefahr durfte sie aber seit 2016 nicht mehr einreisen. Nun hat sie gegen den Sperrvermerk in ihrem Reisepass erfolgreich geklagt. Er wurde jetzt entfernt.
  • Hilke Bentes
    vonHilke Bentes
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Bergfeld/Kunduz – Die Bergfelderin Sybille Schnehage atmet in diesen Tagen tief durch. Einen „fünfjährigen Kampf“ habe sie gewonnen: Denn der Sperrvermerk in ihrem Reisepass wurde nun endgültig und rechtmäßig aufgehoben. Die Vorsitzende des Hilfsvereins Katachel darf wieder nach Afghanistan einreisen.

„Es fühlt sich wie Gerechtigkeit an“, sagt die Bergfelderin. Aufgrund von Entführungsgefahr wurde ihr Reisepass 2016 mit einem Einreiseverbot nach Afghanistan versehen. Seitdem ist Schnehage gerichtlich gegen diese Entscheidung vorgegangen (das IK berichtete). Sie wollte und konnte nicht akzeptieren, dass sie das Land, in dem sie seit mehr als 30 Jahren humanitäre Hilfe leistet, nicht mehr betreten darf. Zumal die Gründe für sie scheinheilig und nicht nachvollziehbar gewesen waren. „Hätten diese Behauptungen gestimmt, dann hätte ich die Entscheidung ja akzeptiert“, so Schnehage. Doch die Gründe für das Einreiseverbot seien teils nur erfunden gewesen. „Natürlich ist Afghanistan gefährlich“, räumt sie ein. Doch durch ihre Mitarbeiter im afghanischen Kunduz und den dortigen Provinzgouverneur sei sie stets ausreichend geschützt. Auch der Disput mit dem afghanischen Projektleiter sei längst aus der Welt gewesen und es habe keine Gefahr einer Entführung bestanden.

Nun ist also der letzte, entscheidende Schritt vor dem Verwaltungsgericht Braunschweig gelungen. Im September vergangenen Jahres hatte Schnehage bereits einen vorläufigen Erfolg errungen: Der Vermerk im Reisepass für das Jahr 2019/20 wurde entfernt und Schnehage bekam Recht gesprochen. Nun musste noch gegen den geltenden Bescheid für 2020/21 verhandelt werden.

Und es ist gelungen: In einem Eilverfahren hat die Bergfelder Klägerin auch den noch ausstehenden Vermerk für das Jahr 2020/21 aus dem Pass entfernt bekommen. Darüber ist Schnehage sehr froh. „Es war eine sehr nervenaufreibende Zeit. Ich werde in dem Land gebraucht und musste nun fast sechs Jahre die Geschicke von Zuhause aus leiten.“ Das war anstrengend und schwierig. „Wir haben dort so viele Projekte, die ich betreuen muss.“ Sie ist sehr froh, dass das Thema endlich beendet ist. „Die Leute in Kunduz brauchen mich.“

Wie es nun weitergeht? Die Koffer werden auf jeden Fall nicht sofort gepackt. „Es muss gut vorbereitet werden, wie und wann ich wieder nach Afghanistan reise.“ Sie stehe in engem Austausch mit ihren Mitarbeitern. „Die Sicherheit ist natürlich wichtig, ich warte auf das Zeichen meiner Leute.“ Und dann will Schnehage wieder vor Ort helfen, schließlich ist in einer der ärmsten Regionen der Welt viel zu tun. Zurzeit unterstützt der Verein die Renovierung von zwei Schulen.

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