Lessien: Räumkommando sucht auf ehemaligem Truppenübungsplatz nach gefährlichen Kampfmitteln

Auf der Suche nach Blindgängern

Auf dem riesigen ehemaligen Truppenübungsplatz hat es in der Vergangenheit immer mal wieder gebrannt. Um ein Ausbreiten der Flammen zu erschweren, wurden Brandschneisen geschlagen. Auf diesen ist aktuell der Kampfmittelräumdienst im Einsatz – die Schneisen sollen so bei künftigen Einsätzen für Löschfahrzeuge nutzbar werden. Foto: Archiv
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Auf dem riesigen ehemaligen Truppenübungsplatz hat es in der Vergangenheit immer mal wieder gebrannt. Um ein Ausbreiten der Flammen zu erschweren, wurden Brandschneisen geschlagen. Auf diesen ist aktuell der Kampfmittelräumdienst im Einsatz – die Schneisen sollen so bei künftigen Einsätzen für Löschfahrzeuge nutzbar werden.
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Ehra-Lessien. „Betreten verboten“ – Schilder machen ganz deutlich, dass das rund 1740 Hektar große Gelände des ehemaligen Truppenübungsplatzes in Lessien nicht betreten werden darf.

Nachdem die Bundeswehr den Betrieb Ende 2013 eingestellt und das Gelände im Januar 2014 an die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BIMA) übergeben hatte, gilt striktes Betretungsverbot. Der Grund ist ganz einfach: Das Gelände ist mit gefährlichen Kampfmitteln belastet. „Wo sich diese befinden und wie viele es sind, weiß keiner“, sagt Wolfgang Löwe, Chef des Bundesforstbetriebes Niedersachsen, auf IK-Anfrage.

Seit ein paar Wochen läuft erneut eine Räumungsaktion. Betroffen ist ein Teilgelände von rund 1100 Hektar, das als Nationales Naturerbe ausgeschrieben wurde. Wie Löwe im IK-Gespräch informiert, ist ein Kampfmittelräumkommando mit Spezial- beziehungsweise Sondierungsgeräten im Einsatz. Bei der derzeitigen Aktion handele es sich, so Löwe, nicht um den ersten Einsatz. Seit mehreren Jahren sei man schon dabei – und auch in den nächsten zwei bis drei Jahren werde man damit beschäftigt sein.

Seitens des Landkreises erklärt Antje Präger, Leiterin des Umweltamtes: „Das gesamte Gelände wird nie ganz freigeräumt werden können. Derzeit konzentriert man sich auf die Brandschutzschneisen, damit sich die Feuerwehr im Falle eines Brandes dort gefahrlos bewegen kann.“ Man taste sich Stück für Stück voran. Eines steht jedoch schon jetzt fest: Das Betretungsverbot wird auch künftig bestehen bleiben. „Das Gebiet, das als Nationales Naturerbe ausgeschrieben wurde, wird sich selbst überlassen. Dort wird nie ein Naturerholungsgebiet entstehen“, betont Präger.

Der ehemalige Truppenübungsplatz nördlich von Lessien wurde 1938 eingerichtet. Der unter anderem zum Üben von Bunkersprengungen und – nach dem Zweiten Weltkrieg – zur Vernichtung von Kampfmitteln wie Giftgas und als Übungsgelände der Bundeswehr genutzt wurde. Nach dem Zweiten Weltkrieg kamen viele Flüchtlinge nach Ehra-Lessien, die ab 1948 auf dem Gelände des Truppenübungsplatzes lebten. Dort wurde eine Barackensiedlung, „Platz“ genannt, mit einer eigenen Volksschule eingerichtet. Bald nach der Gründung der Bundeswehr 1956 wurde die Siedlung aufgelöst und das Gelände wieder militärisch genutzt.

Von Carola Hussak

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