Afghane zahlt Geld zurück

Streit in Kunduz beigelegt: Sybille Schnehage hofft auf Ausreise

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Sybille Schnehage hofft, wieder nach Afghanistan reisen zu können. Der Streit mit ihrem ehemaligen Mitarbeiter Dadgul Delawar ist nach zehn Jahren und schweren Vorwürfen beigelegt.

Bergfeld/Katachel – Dadgul Delawar, der ehemalige Projektleiter des Vereins Katachel im Kunduz, hat zugegeben, dass die von ihm ausgesprochenen Vorwürfe gegen Sybille Schnehage allesamt frei erfunden waren und er Geld veruntreut habe.

Jüngst bestätigte er dies in einem Brief und zeigte sich bereit, das Geld zurückzuzahlen.

„Wichtig ist“, sagt Schnehage im IK-Gespräch, „dass der ganze Knirsch vorbei ist.“ Nach zehn Jahren endete der Rechtsstreit zwischen ihr und ihrem ehemaligen Mitarbeiter Delawar. Laut Schnehage schritt der Gouverneur der afghanischen Region ein und machte Delawar klar, dass Schnehage wegen ihm nicht mehr kommen könne, dies der ganzen Region schade. Er forderte, dass man Frieden schloss. Daraufhin gab Delawar, der auch Informant für den militärischen Abschirmdienst gewesen sei, in einem Brief die üble Nachrede zu.

„Er hatte nicht nur behauptet, dass ich Geld unterschlagen hätte“, ärgert sich Schnehage. Zudem habe der Afghane selbst rund 40 000 Euro in die eigene Tasche gesteckt. „In seinem Brief gibt er auch das zu, sagt, dass er falsch gehandelt hat.“ Die Veröffentlichung sei wichtig, besonders in Afghanistan. Darum habe sie den Brief auch auf Dari auf ihrer Facebook-Seite gepostet. „Er will das Geld zurückgeben.“

Den Anfang habe Delawar bereits gemacht: „Er hat einen Lkw zurückgegeben“, berichtet Schnehage. Den habe man schon einmal mit 10 000 Euro verbucht. Mehr Geld und Wertsachen besäße Delawar nicht. Zudem seien zwei seiner Töchter, seine Frau und er selbst krank. Mit Schnehage einigte man sich auf die Rückzahlung in Raten: 200 Euro jährlich. „Um das Geld zurückzugeben, muss er noch sehr lange leben“, lacht Schnehage.

Aber es ginge auch nicht primär um die ganze Summe: „Wichtiger als das Geld ist der Frieden“, sagt Schnehage. Jetzt, da der Rechtsstreit mit Delawar beigelegt ist, hofft sie, wieder nach Afghanistan reisen zu dürfen. Die Bedrohung, die die Bundesregierung anführte, um sie an der Ausreise zu hindern, habe es nie gegeben. „Mein Büro ist seit zehn Jahren mitten in der Stadt, nahe dem heutigen Parlament.“ Mit dem Friedensschluss mit Delawar falle nun auch der letzte Vorwand, mit dem man ihre Arbeit behindern wolle. „Die Ältesten und die Mullahs bestätigen den Frieden“, freut sich Schnehage, „und geben mir eine Sicherheitsgarantie.“ Auch der Gouverneur lade sie ein.

VON DENNIS TESCH

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