31. Gebäude in Rekordzeit gebaut / Keine Probleme oder Angriffe / Speiseölfabrik läuft schleppend an

Schule in Taliban-Gebiet eröffnet

Die Schule Waliswali wurde in einem Taliban-Gebiet gebaut, in dem es viele Kämpfe gibt. Die Armut, insbesondere unter den Kindern, ist sehr hoch. Daher ist die Schule eine große Bereicherung für die Menschen. Fotos: privat
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Die Schule Waliswali wurde in einem Taliban-Gebiet gebaut, in dem es viele Kämpfe gibt. Die Armut, insbesondere unter den Kindern, ist sehr hoch. Daher ist die Schule eine große Bereicherung für die Menschen.
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Bergfeld/Kunduz. Überwiegend positive Nachrichten über ihren Hilfsverein Katachel hatte die Vorsitzende Sybille Schnehage gestern im IK-Gespräch zu berichten.

Trotz Sicherheitsprobleme konnte der Verein in diesem Jahr die Lebensqualität der Menschen in Kunduz wesentlich verbessern.

Sybille Schnehage

„Die beiden Schulen Ghazi Khan und Bibi Samia sind fertig. Mit der Schule Rustakabad in Kunduz und einer weiteren in der weit entfernten Region Iman Saheb, die Waliswali-Schule, gelang es uns, zwei weitere zu bauen. Damit ist die 31. Schule in Betrieb gegangen“, freut sich die Bergfelderin. Besonders hob sie hervor, dass es sich bei der Region Iman Saheb um ein Taliban-Gebiet handelt, in dem viele Kämpfe ausgetragen werden. Aber: „Es gab überhaupt keine Probleme – im Gegenteil, die Akzeptanz war sehr groß. In einer Rekordzeit von nur fünf Monaten war die Schule fertiggebaut“, berichtet die Vereinsvorsitzende stolz. Die Armut sei dort insbesondere bei den Kindern zu sehen: Sie tragen keine Schuluniform, obwohl das in Afghanistan Vorschrift ist. Daher sorgte der Verein nicht nur für Hefte und Stifte, sondern auch für Schulkleidung, die von den Auszubildenden des Nähprojektes angefertigt wurden. Die Schule, so Schnehage, ist gerade für diese Region ein großer Gewinn.

Die Lehrer seien nicht mit unseren hier in Deutschland vergleichbar. „Wir müssen klein anfangen, diese Schule aufzubauen. Wir haben Lehrer und Direktoren, deren Intellekt nicht sehr hoch ist. Aber, der Direktor hat an der Schule für Disziplin und Ordnung gesorgt – auch wenn er selbst ganz anders ist. Disziplin und Ordnung sind Grundvoraussetzungen in einem Land, wo es so etwas nicht gibt“, weiß Schnehage.

Das Gebäude der Speiseölfabrik in Kunduz ist soweit fertig. Nun müssen noch zwei Maschinen im Wert von 20.000 Euro angeschafft werden.

Mit dem Nähprojekt bietet der Verein jungen Mädchen die Möglichkeit, eine Schneiderausbildung zu absolvieren und sich selbstständig zu machen. Um auch jungen Männern eine Perspektive zu bieten, in der Heimat einen Arbeitsplatz zu finden, ist der Verein derzeit dabei, eine kleine Speiseölfabrik aufzubauen. Der Bau werde komplett aus Spenden finanziert, sodass der Aufbau sehr langsam vorangehe. „Das Gebäude ist soweit fertig, mir fehlen jetzt noch die Maschinen“, berichtet die Bergfelderin. Etwa 20 000 Euro sind nur für zwei Maschinen notwendig – die eine, um die Baumwolle vom Kern zu trennen und eine für die Verarbeitung des Öls. Schnehages Ziel ist es, in der Fabrik Hilfe und Mitarbeiter zu haben, um verschiedene Dinge selbst produzieren zu können. So würde die Baumwolle dem Nähprojekt zugute kommen und dort zu Matratzen verarbeitet. Diese könnten dann wiederum den Witwen geschenkt werden. Es wäre ein geschlossener Kreislauf und für die Menschen Hilfe vor Ort. Letzteres hat für die Vereinsvorsitzende nach wie vor oberste Priorität. Denn: „Wer in seinem eigenen Land Beschäftigung findet, endet nicht in anderen Ländern als Wirtschaftsflüchtling. Man muss vor Ort Perspektiven bieten.“

Von Carola Hussak

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