Platsch!

Die Übergabe der Gautschbriefe, die dem Original von früher ähneln, war der angenehmste Teil der Zeremonie für die drei Gesellinnen aus der schwarzen Zunft.

rau Brome. Mit einer feierlichen Gautschzeremonie, wie sie schon vor hunderten von Jahren durchgeführt wurde, wurden gestern Nachmittag auf dem Hof der Burg Brome die Jünger Gutenbergs in die schwarze Zunft aufgenommen.

Zum ersten Mal in all den Jahren handelte es sich mit Mediengestalterin Melanie Schaffers vom Medienhaus C. Beckers, dass das Isenhagener Kreisblatt herausgibt, und den beiden Buchbinderinnen Janina Oldenburger und Vanessa Bachl um eine reine Frauengruppe, wie Dr. Andreas Wallbrecht vom Burgmuseum berichtete. Zu Beginn der Gautschfeier, in der die Gautschlinge von ihren schlechten Angewohnheiten reingewaschen werden sollen, wurden sie auf einen nassen Schwamm gesetzt, bevor es hinterher in einen Trog mit Wasser ging.

In Anbetracht des kühlen und nassen Wetters von oben, war man diesmal gnädig mit den Gautschlingen und füllte das kalte Wasser mit warmem Wasser auf. Dann allerdings wurden die drei Frauen von Mitgliedern der Zunft gepackt und ins Wasser geworfen. Sämtliche Fluchtversuche waren zwecklos. Durchgeführt wurde die Feier von Jörg Heidrich, der den Gautschlingen zum Abschluss der Zeremonie je einen Krug mit Bier reichte.

In früheren Zeiten hätten es die zu Gautschenden wesentlich weniger gut gehabt, so Wallbrecht, das Getränk aus dem Becher sei ein undefinierbarer Mix aus allen möglichen Zutaten gewesen und im Gegensatz zu heute, wo sich in dem Gautschbehälter reines Wasser befindet, war in früheren Jahrhunderten, neben dem Wasser sämtliches an Rückständen des Handwerks wie Papier und Holz zu finden, erklärte Wallbrecht. Nun könnten die drei Frauen in Zukunft selber gautschen, denn Gautschen darf nur, wer bereits in die Zunft aufgenommen ist, erklärte Jörg Heidrich. Nicht nur die Druckkunst, wie sie bis vor einigen Jahrzehnten noch durchgeführt wurde, sondern auch andere alte Handwerkskunst, wie zum Beispiel das Klöppeln, Wollkämmen oder Spinnen konnten die Besucher der Burg am Sonntag hautnah erleben.

„Wir wollen die Tradition aufrechterhalten“, so Wallbrecht und so könnten die Gäste der Burg einmal miterleben, wie aufwendig es zum Beispiel früher gewesen sei, eine einzige Druckerzeile zu setzen. Wichtig war Wallbrecht zudem, dass es sich bei der Gautschfeier um keine „Gaukelei“ handele: „Wir gautschen mit echten Gesellen.“

Der angenehmste Teil der Feier war für die Gautschlinge die Übergabe ihrer Gautschbriefe, die Originalen aus früherer Zeit ähneln, denn so Wallbrecht: „Man kann sehen, wie unangenehm der ganze Gautschvorgang dem Einzelnen ist.“

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