Parsauer war dabei

Politisches Desinteresse ist nach Teilnahme beim Bürgerrat verflogen

Die Online-Live-Schaltung des bundesweiten Bürgerrats
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Aus ganz Deutschland diskutierten 159 Menschen beim Bürgerrat über Deutschlands Rolle in der Welt. Aufgrund der Corona-Krise fand er nur virtuell statt.
  • Hilke Bentes
    VonHilke Bentes
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Parsau – Politik hat den Parsauer Rolf-Dieter Lehn vor seiner Einladung zum Bürgerrat nicht wirklich aktiv interessiert. Doch nach 50 Stunden, die er in Online-Besprechungen bei dem bundesweiten Format verbrachte, hat sich das geändert. Viel nimmt er aus dem Projekt mit, bei dem er mit 158 anderen Bürgern über Deutschlands Rolle in der Welt diskutiert hat (das IK berichtete). Auf der anderen Seite ernüchtern ihn manche Verhaltensmuster, die ihm bei der Veranstaltung begegnet sind.

Hinter dem 68-jährigen Rentner liegen intensive Wochen. Jeden Mittwoch von 18 bis 21 Uhr und jeden Samstag von morgens bis abends hat er sich vor seinem Laptop eingerichtet, um dem Bürgerrat zu folgen. „Ich hab mir Lautsprecher besorgt, damit ging das besser.“ Lehn konnte also bequem von Zuhause aus der Veranstaltung folgen. Aufgrund der Corona-Krise fand die komplette Veranstaltung virtuell statt. „Ich hatte davor ja nicht so viele Erfahrungen mit Video-Konferenzen, aber man hatte bei der ganzen Organisation echt mit Profis zu tun.“

Die Systeme liefen durchweg ohne Störungen, auch die Umschaltung in kleinere Gruppen klappte ohne Probleme. „Ich empfand die Wochen nicht als anstrengend.“ Für Lehn hatte das Online-Konzept viele Vorteile. „Ich konnte mich zwischen den Konferenzen belesen und mich tiefer mit den Themen auseinandersetzen, über die wir sprechen sollten.“ Er vermutet, dass das bei Präsenzveranstaltungen nicht in dem Maße möglich gewesen wäre.

Für Lehn gehörte das intensive Recherchieren über den Bürgerrat hinaus zu einem wichtigen Instrument, um sich einzubringen und dem Projekt einen Mehrwert zu liefern. „Man hat aber gemerkt, dass sich nicht alle Teilnehmer schlaugemacht haben. Das hat dann die Diskussion erschwert, weil sich die teilweise festgefahrenen Standpunkte nicht ändern ließen.“

Durch die zufällige Auswahl der Teilnehmer gab es laut Lehn eben ein komplett breites Spektrum. „Und gerade im Bereich Nachhaltigkeit war es nicht so leicht, gegen Vorurteile anzukommen.“ Das sei schon schade, denn damit verloren sich teils konstruktive Diskussionen. Unwissenheit im Bereich Fleischerzeugung, Klimawandel und in verschiedenen Teilen der landwirtschaftlichen Arbeit sind dem Parsauer dabei in Erinnerung geblieben.

Corona kein Thema

Trotzdem nimmt Lehn für sich persönlich viel mit. Dazu gehören auch Dinge, die in der Politik aus seiner Sicht falsch laufen: „Die Bodenständigkeit und Bürgernähe fehlt manchen Politikern.“ Insgesamt sei aber sein politisches Desinteresse verflogen. Der Parsauer will sich fortan ausgiebig über die wichtigen Themen, die auf der Welt gerade passieren, intensiver informieren und darüber hinaus mehr recherchieren. Lehn ist aber sehr froh, dass der diesjährige Bürgerrat nicht über die Corona-Krise gesprochen hat. „Es wäre für die Veranstalter auch zu spontan gewesen, die komplette Organisation dauerte wohl ein Jahr.“ Er kann sich aber vorstellen, dass kommende Bürgerräte genau über dieses Thema sprechen werden.

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