Ausgabestelle der Wittinger Tafel gut besucht / Unnötige Scham ist Problem

Nachfrage in Brome steigt wieder

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Laura Osterloh-Gailliaert widersetzte sich einer Schließung der Tafel-Ausgabe in Brome. Foto: Tesch

Brome – Die Ausgabestelle der Wittinger Tafel in Brome hat wieder mehr Zulauf. Dabei sah es kurzzeitig so aus, als müsste man sie schließen.

Vor gut zwei Jahren hat die Wittinger Tafel auch in Brome eine Ausgabestelle eingerichtet. Anfangs verlief die Ausgabe schleppend. „Das wurde zwischendurch ganz schlecht angenommen“, berichtet Tafel-Chefin Laura Osterloh-Gailliaert im IK-Gespräch. Auf der Mitgliederversammlung der Tafel habe man sogar mit dem Gedanken gespielt, den Standort aufzugeben. „Das wollte ich aber nicht“, sagt Osterloh-Gailliaert.

Also nahm man andere Anpassungen vor: „Wir hatten den Betrieb für eine Weile auf einen 14-Tage-Rhythmus umgestellt“, berichtet die Tafel-Vorsitzende. In der Zeit wurde die Ausgabe abwechselnd in Brome, Hankensbüttel und Wittingen vorgenommen.

Das geringe Interesse in Brome verwundert, denn „die Bedürftigkeit ist hier genauso hoch wie in Wittingen“, meint Osterloh-Gailliaert. Sie weiß aber auch um die Gründe. Zum einen seien viele Flüchtlinge aus Brome weggezogen. Damit sei schon ein großer Teil derjenigen weggefallen, die die Hilfe der Tafel in Anspruch nehmen. Aus zahlreichen Gesprächen wisse sie aber auch um ein anderes Problem: „Vielen Deutschen ist das hier zu öffentlich.“

Denn die Ausgabestelle liegt neben der Liebfrauenkirche direkt an der Hauptstraße. „Die haben Angst, gesehen und zum Gesprächsthema der Nachbarschaft zu werden“, sagt Osterloh-Gailliaert. Viele würden dann eben lieber versuchen, ohne die Tafel zurechtzukommen. „Das ist ein Problem“, sagt die Tafel-Chefin, die seit über zehn Jahren im Geschäft ist. „Was ich habe, gebe ich gern“ – aber die Menschen müssten es eben auch annehmen.

Das machen derzeit vorwiegend Migranten, aber auch immer mehr Deutsche, schnell bildet sich eine Schlange. Das bestätigt die Entscheidung, an der Bromer Zweigstelle festzuhalten. „Das war der richtige Weg“, sagt Osterloh-Gailliaert. „Es kommen wieder jede Woche mehr.“

Es seien gerade genug Waren da, um die Menschen zu versorgen. Aber Osterloh-Gailliaert sieht auch schon das nächste Problem, denn die Durststrecken kommen. „Da kann ich die Uhr nach stellen“, sagt sie. Pünktlich zu den Ferien und der Sommerurlaubszeit würden die Waren, die der Tafel zur Verfügung stehen, knapper. Sie vermutet, dass Supermärkte in dieser Zeit die Bestellungen zurückfahren. Sie und das Tafel-Team müssen dann dafür weitere Strecken fahren, um den Bedarf zu decken. Denn „die Menschen sollen vernünftig versorgt sein“, sagt Osterloh-Gailliaert.

VON DENNIS TESCH

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