Fahrlässige Tötung auf Teststrecke

Nach tödlichem Unfall bei Ehra-Lessien: Bewährungsstrafe für unachtsamen VW-Testfahrer

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Das Amtsgericht Gifhorn sieht die Schuld für den tödlichen Unfall bei Ehra-Lessien beim Angeklagten. 

Ehra-Lessien / Gifhorn – Ein 33-jähriger Testfahrer des Volkswagen-Konzerns trägt die Schuld am Tod seines 31-jährigen Kollegen, der im Juli letzten Jahres infolge eines Unfalls auf der VW-Teststrecke bei Ehra-Lessien starb. Das stellte jetzt das Amtsgericht Gifhorn fest.

Am Morgen des 11. Juli 2018 fuhr der 31-Jährige auf dem Prüfgelände in einem VW Up. Auf dem rechten Fahrstreifen „sollte er Fahrversuche bei niedriger Geschwindigkeit bis zum Stillstand durchführen“, berichtet die Direktorin des Amtsgerichts Gifhorn, Angelika Braut, auf IK-Nachfrage. Dabei sei auch die Warnblinkanlage eingeschaltet gewesen.

Sein 33-jähriger Kollege fuhr in einem VW-Passat dieselbe Strecke, aber in deutlich höherem Tempo. Die Sichtverhältnisse seien an diesem Tag nicht beeinträchtigt gewesen, beide Fahrzeuge hätten sich auf einer geraden Strecke ohne Sichtbehinderungen befunden. „Der Angeklagte übersah aus Unachtsamkeit das Fahrzeug und fuhr mit einer Geschwindigkeit von 170 bis 180 Stundenkilometern auf das Fahrzeug auf“, rekapituliert Braut die Überzeugung des Strafrichters. Nur Unachtsamkeit käme als Unfallursache in Frage. Ein von der Staatsanwaltschaft in Auftrag gegebenes unabhängiges Gutachten schloss technische Defekte aus. Der angeklagte Testfahrer sagte wiederholt aus, er könne sich an den Unfallhergang nicht erinnern.

Die Folgen werden indes vom Amtsgericht Gifhorn eindeutig geschildert. Der heftige Zusammenstoß des VW Passats mit dem VW Up ließ dem 31-jährigen Up-Fahrer kaum eine Chance: „Durch die Kollision brach die Lehne des Fahrersitzes, sodass der Getötete mit dem Kopf gegen die C-Säule prallte“, erklärt Braut. „Er erlitt ein schweres Schädelhirntrauma mit Bruch der Wirbelsäule, was zum sofortigen Tod führte.“ Der Mann hinterlässt eine Frau und ein Kleinkind.

Was genau den 33-jährigen Unfallverursacher an jenem Tag ablenkte oder warum er unachtsam war, wird man vermutlich nie erfahren. Dennoch verurteilte das Gericht ihn wegen fahrlässiger Tötung zu einer Freiheitsstrafe von zehn Monaten mit Strafaussetzung zur Bewährung. Das Urteil beruht im Wesentlichen auf einem Gutachten zum Unfallhergang, Lichtbildern und dem Bericht der Leichenschau. Die Polizei Gifhorn äußerte sich nicht zum Unfall. Das Prüfgelände sei privat und somit nicht-öffentlicher Verkehrsraum, daher könne das Unglück als Arbeitsunfall gelten. Der 33-jährige Verurteilte sei nicht vorbestraft gewesen.

VON DENNIS TESCH

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