Bundesregierung sieht Sicherheitsrisiko

Nach 30 Jahren der Hilfe: Sybille Schnehage darf nicht mehr nach Afghanistan einreisen

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Seit Jahren darf Sybille Schnehage nicht mehr nach Afghanistan reisen, um humanitäre Hilfe zu leisten. Das Bundesverwaltungsgericht entscheidet darüber im Mai.

Bergfeld – Seit 30 Jahren leistet Sybille Schnehage in Afghanistan humanitäre Hilfe. Seit 2015 darf sie nicht mehr dorthin reisen. Im Mai soll nun entschieden werden, ob es in ihrer eigenen Verantwortung liegt auszureisen, oder, ob sie damit auch die Bundesrepublik gefährdet.

Sybille Schnehage ringt um ihr Recht, wieder nach Afghanistan reisen zu dürfen.

Seit 2015 war sie nicht mehr in der Provinz Kunduz, wo sie seit über 30 Jahren mit dem Verein Katachel humanitäre Hilfe leistet. Ende Mai wird nun in oberster Instanz beim Bundesverwaltungsgericht in Leipzig entschieden, ob sie wieder nach Afghanistan darf.

„Das ist alles sowas von verwirrend“, sagt Schnehage auf die Gerichtsverhandlungen angesprochen. Seit 2016 ist Schnehages Reisepass mit einem Sperrvermerk versehen. Die Bundesregierung hatte Sorge, dass sie entführt werden könnte. „Ich werde in Kunduz geschützt“, meint Schnehage und es folgte eine Kaskade von Gerichtsterminen.

„In Braunschweig habe ich gewonnen“, rekapituliert Schnehage. Zwar hatte das dortige Verwaltungsgericht ihr zugestimmt, dass eine Reise in ihrer eigenen Verantwortung liege, aber die Samtgemeinde Brome legte Berufung ein. Das Oberverwaltungsgericht in Lüneburg wiederum war nicht Schnehages Argumentation gefolgt. „Da bin ich dann in Revision gegangen“, erklärt sie. Nun wird man am 29. Mai in Leipzig in der Sache entscheiden. „Das ist ein Unding, solange jemandem den Pass einzuschränken“, ärgert sich Schnehage. Sie sei seit 30 Jahren die Einzige, die dort kontinuierlich helfe. „Ich verstehe nicht, warum man so etwas kaputtmachen will.“

„Wir wollen Frau Schnehage ja nicht ärgern“, sagt Manuela Peckmann, Bromes Samtgemeindebürgermeisterin, im IK-Gespräch. Vielmehr wolle man sie und die Bundesrepublik schützen. Gerade weil Schnehage dort prominent Hilfe leiste, sei sie in Gefahr. „Sie ist eben nicht irgendwer“, sagt Peckmann. Schnehage ist Trägerin des Bundesverdienstkreuzes und hat Kontakte in hohe Kreise. Das mache sie für potenzielle Entführer sehr wertvoll. Leipzig müsse die grundlegende Frage nach dem Gefahrenbegriff klären.

„Es ist toll, was die Frau da macht“, betont Peckmann noch einmal. „Es geht nicht darum, die Hilfe zu unterbinden.“ Es gehe darum sie und das Land zu schützen. Eine Ausreise dürfe verweigert werden, wenn von dem Ausreisenden eine Gefahr ausgeht. „Da ist das Gesetz eindeutig“, erklärt Peckmann. Das ist zwar bei Schnehage nicht der Fall, doch durch ihr Handeln könnte sie Dritten ein Mittel in die Hände spielen, um die Bundesrepublik zu erpressen – sich selbst.

VON DENNIS TESCH

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